Freitag, 3. Januar 2014

Privat, das war gestern.


"Ein Kind, das heute geboren wird, wird ohne jegliche Vorstellung von Privatsphäre aufwachsen. Es wird niemals wissen, was es bedeutet, einen privaten Moment nur für sich zu haben; einen Gedanken, der nicht aufgezeichnet und analysiert wird." (Edward Snowden in seiner Weihnachtsbotschaft am 25.12.13)

Snowden verwies in derselben Botschaft auch auf die Vorstellungen von George Orwell, der in seinem berühmten Roman "1984" das Zukunftsbild eines totalitären Überwachungsstaates entworfen hatte mit der Bemerkung, diese düsteren Visionen seien in der heutigen Realität "nichts gegen das, was heute verfügbar ist".

Nun zeigt die Geschichte, dass der Mensch, was er technisch entwickelt und was technisch machbar ist, auch bedenkenlos einsetzt, offen oder versteckt, mit gesellschaftlich-politischer Legitimation oder auch ohne diese. Geheimdienste und Militär sind von jeher die Grau- und Dunkelzonen, in den das technische Machbare weitgehend bedenkenlos entwickelt und eingesetzt wird. Denn hier sind die gesellschaftlichen, moralischen und ethischen Kontrollmechanismen vergleichsweise reduziert. Das Feindbild vor Augen, scheint hier alles legitim. "Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", das war schon immer das Motto von Militär und Geheimdiensten und besitzt eine nachvollziehbare Logik. Das 20. Jahrhundert mit seinen schrecklichen Weltkriegen und totalitären Systemen ist das perfekte Lehrbuch für dieses Motto.

(c) vkd


Auch Nineeleven war Katalysator für die Strategien der NSA, denen wir heute so fassungslos gegenüber stehen.

Indem der Mensch die Technik zur Generalantwort auf alle existenziellen Fragen erhoben hat, ist er gleichzeitig Sklave seines kollektiven Unbewussten, das sich in der Technik manifestiert. Ein kollektives Unbewusstes, dass von abgrundtiefem Misstrauen und Menschenfeindlichkeit geprägt ist, entwickelt nicht nur die entsprechenden Techniken, sondern setzt sie auch unbedenklich ein - und reproduziert damit abgrundtiefes Misstrauen und Menschenfeindlichkeit auf einer höheren Stufe. Diesen existentiellen Teufelskreis dürfte Heidegger, einer der bedeutenden Philosophen des 20. Jahrhunderts, vor Augen gehabt haben, als er die Technik, welche Heidegger als das "Gestell" des Menschen definierte, eine Wirkkraft, die  auch die potentielle Selbstvernichtung der Menschheit beinhaltete. 

Auf gleichem Hintergrund schrieb Orwell sein berühmtes Werk "1984". Wichtig zu wissen, das Orwell damals Ende der 40er Jahre den totalitären Überwachungsstaat eines Josef Stalin vor Augen hatte und als zukünftige Vision eines Überwachungsstaates des Schreckens hochrechnete.

Heute stehen wir hier und reiben uns die Augen bei der entsetzlichen Erkenntnis, dass nicht nur die bekannten totalitären Staaten (wie China, Iran, Nordkorea etc.) eine perfekte Durchleuchtung jeglicher Privatheit vornehmen, sondern ein bürgerlich-demokratisches System wie die USA sich hier absolute Vorreiter und "Weltmarktführer" gerieren ("Teufel" Hitler wurde ja auch von den US-Amerikanern zum Anlass genommen, die Menschheit mit dem "Beelzebub" Atombombe mithilfe des ebenso höchst geheimen "Manhattan-Projekt" zu beglücken).

Die historische Hochburg der demokratisch-bürgerliche Grundrechte, das Land, in denen die erste bürgerlich-demokratische Verfassung der Weltgeschichte Realität wurde, welche den Schutz von Privateigentum und Privatheit zum höchsten Gut einer menschenwürdigen Gesellschaft erkoren haben, entlarvt sich heute als technologische Avantgarde der totalen Aufhebung jeder Privatheit.

Allerdings, und das ist der wesentliche Aspekt, reflektiert die technische Aufhebung der Privatheit, die durch die geheimdienstliche technische Totalüberwachung so augenfällig wird, nur einen Prozess, der unabhängig von 9/11, Geheimdiensten und Militärtechnologie schon längst gesellschaftlich wirksam geworden ist: die besessene Zurschaustellung und Aufhebung jeglicher Privatheit und Intimität, die in den Massenmedien und vor allem in den sozialen Netzwerken des Internet schon längst begonnen hatte, als der Teufel mit 9/11 auf die Erde kam und Beelzebub aus der Flasche trieb. Für 3 Minuten "Fame" wird bereitwillig "alles gegeben", um eine beliebte Phrase zu zitieren, sei als Sportler, als angehender Superstar, Supermodell oder kleiner "Facebooker", das ist die moderne Wirklichkeit.

Damit bewahrheitet sich die o. a. These, dass die Technik und das technisch Machbare und Gemachte immer nur das kollektive Unbewusste widerspiegelt. Das allein erklärt auch, weshalb die immer neuen Enthüllungen eines Edward Snowden so geringfügigen Widerstand in den bürgerlich-demokratischen Staaten hervorruft. Das Primat des Privaten als Grundwert eines bürgerlichen Individualismus ist längst auf dem Misthaufen der Geschichte gelandet.

Montag, 28. Mai 2012

Fragment über Rückhalt und Rückenprobleme

Einen zentralen Begriff möchte ich in diesem Zusammenhang erläutern, den Begriff „Rückhalt“: Wir gehen davon aus, dass der Mensch in jeder Entwicklungsphase unterschiedliche Arten von Rückhalt benötigt. Steht dieser Rückhalt in der jeweiligen Umgebung nicht zur Verfügung, wird er als eine Art „Selbst-Rückhalt“ (eine Art körperliches „Ego“ oder falsches Selbst-System) antrainiert. Es macht starr und unbeweglich. Auch dieser Vorgang kann für spätere und chronische Rückenprobleme verantwortlich zeichnen.


Schon der Fötus erfährt Rückhalt in der Gebärmutterwand, dies ist die Ur-Matrix, die erste prägende Erfahrung von Halt in der menschlichen Entwicklung. Dem Baby, das Geborgenheit, Sicherheit und liebevolle Zuwendung im Kontakt mit der Mutter erfährt, muss sich nicht versteifen, sondern kann sich loslassen, hingeben und anvertrauen: es fühlt sich gehalten und bleibt frei von Fallangst.


Von der Phase an, in dem das Kind laufen lernt, wird der väterliche Rückhalt, welcher die Unterstützung von Autonomie und der Fortbewegung – auch fort von der Mutter – bedeutet, für die weitere Entwicklung wesentlich. Der Halt in mütterlicher Bindung (der die Vorderseite des Körpers betrifft) und des väterlichen Rückhalts für die Impulse von Autonomie sind die beiden Polaritäten, die für die Entwicklung des Menschen von fundamentaler Bedeutung sind. Gerade eine gesunde Balance zwischen Autonomie und Bindung bildet die wichtigste Voraussetzung für jeden Kontakt und für jede Beziehung.


Foto: VKD

Sonntag, 7. August 2011

SMARTPHONE STREICHELN

Es ist immer wieder erstaunlich, in welcher umfassenden Weise Technologien das Alltagsverhalten und die Wertesysteme einer Epoche verändern können. Besonders aufmerksam wird man für diese Einflüsse, wenn man das Thema Sexualität betrachtet.


1961 wurde die Anti-Baby-Pille auf den Markt gebracht und veränderte das Sexualverhalten der modernen Gesellschaft in radikalster Weise. Sexualität, befreit von den Ängsten unzureichender Verhütungsmethoden, konnte neu entdeckt werden: als Quelle von Lust. Die Traditionen einer von Schuldgefühlen beladenen, verklemmten Sexualität im Dunkeln und unter der Bettdecke verschwanden immer mehr, Sexualität entwickelte sich zu einem „Lieblingsspiel“ der Erwachsenen.
So war es wohl bisher. Seit kurzem gibt es allerdings eine neue Technologie, die zu einer harten Konkurrenz für dieses „Lieblingsspiel“ werden könnte: das Smartphone. Glaubt man neuesten Umfragen aus den USA, so würden sage und schreibe ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung inzwischen lieber auf Sex verzichten als auf ihr Smartphone. Dabei sollten wir uns vor Augen führen, dass längst noch nicht alle Handy-Besitzer auch Smartphone-User sind. Die Hersteller von Smartphones rechnen wohl weiterhin mit eindrucksvollen Absatzzahlen in den nächsten Jahren.
So dass es durchaus sein kann, dass sich ein wachsender Teil der geschlechtsreifen Bevölkerung in den nächsten Jahren lieber sein Smartphone streichelt als seinen Partner. Immerhin laufen diese kleinen Dinger inzwischen stabiler als die meisten Beziehungen ...

Sonntag, 22. Mai 2011

Wenn Kids im Kindergarten durchknallen ...

Seit einigen Jahren geistert die Zahl herum, dass in den Kindergärten hierzulande ca. 25% der Kinder Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Hintergrund dieser Zahl sind verschiedene wissenschaftliche Studien. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von Kindergarten-Kindern.

Doch wen kümmert's? Da kann man über die Ursachen lamentieren, z. B., dass die Kluft, Kinder in die Welt zu setzen und Kinder aufzuziehen, ständig größer wird und kaum ein Erwachsener mehr weiß, dass Erziehung eine Aktiviät und keine Passivität ist. Wer sich mit Hunden auskennt und beobachtet, wieviel nicht-erzogene Hunde herumlaufen, der weiß, wovon ich rede (und das meine ich ausdrücklich nicht ironisch).

Im Hintergrund sind soziale und erzieherische Bereich hierzulande ein arg vernachlässigtes Feld öffentlicher Aufmerksamkeit, Der Erzieherberuf ist mies und schlecht bezahlt, Kinder haben keine politische Lobby. Etwas zu tun, kostet viel Geld, Geld um den Erzieherberuf attraktiver zu machen, Geld, um die verhaltensauffälligen Kinder effizient zu betreuen. Weder steht Geld dafür zur Verfügung, noch scheinen diese Art Investitionen für die Zukunft politisch irgendwie attraktiv zu sein. So bewegen wir uns stramm auf die 100% zu ... verhaltensauffälliger Kinder. Bei den politischen Entscheidungsträgern, die dermaßen zukunftsblind agieren, scheinen die 100% schon erreicht zu sein.

Dienstag, 29. März 2011

GANZ GROSSE KAFFEEHAUSLITERATUR

Eine ganz bezaubernde Miniatur von meiner Wiener Lieblingsbloggerin Anna  aus dem Wunderland verbindet Tradition und Moderne auf wunderländliche Weise. 
Zitat: "sie sieht ihm über den rand ihrer kaffeetasse in die augen und erklärt ihm trocken und ohne mit der wimper zu zucken, dass das ganze für sie eine rein erotische affäre sei."
Auf einer Zeitreise 100 Jahre zurück wären die Sprecher vielleicht andere gewesen, aber die Worte identisch. So freuen wir uns über moderne Zeiten in den heiligen Hallen des Café Central. Viel Spaß bei der Lektüre!  

Samstag, 26. März 2011

LIEBER GESUND ALS KREBSKRANK MIT BILLIGSTROM!

Wie man den Medien entnehmen konnte, haben heute die größten Demonstrationen gegen die Atomkraft in der Geschichte der Bundesrepublik stattgefunden. Es wäre ja auch ein Armutszeugnis, wenn das nicht so wäre.
Denn bringen wir es auf den Punkt, dann polarisieren sich in den Reaktionen auf das Atomdesaster in Japan zwei grundlegend unterschiedliche Haltungen:
  • Die Haltung des wissenschaftsgläubigen Rationalisten, der sich allein vom Verstand und der Ratio leiten lässt und dem alles Emotionale bedrohlich erscheint, insbesondere Gefühle wie Angst bekämpft er erfolgreich mit zwanghafter Rationalität. Deshalb ist er nach wie vor von den Heilsversprechen der Technologie überzeugt ist und auch die Ereignisse in Fukushima versteht er nur als Verkettung unglücklicher Umstände.
  • Die Haltung des Gefühlsmenschen, der seine Angst wahrnimmt, die Angst um das eigene Leben und die eigenen Gesundheit ebenso wie die Angst um Leben und Gesundheit seiner Kinder oder der Menschheit als Gattung. Der Gefühlsmensch spaltet seine Ängste nicht ab und versucht sie wegzurationalisieren, sondern er versucht, die Angst als Motiv korrigierender Haltung und Handlung zu nutzen. Der Gefühlsmensch weiß, dass menschliches Handeln nie rein rational funktioniert (was übrigens die moderne Gehirnforschung auch weiß, nur die Entscheider nicht), und von daher der Faktor der menschlichen Fehlbarkeit immer ein reales Risiko bei derart gefährlichen Technologien wie der Atomenergie darstellt.
Gut, ich gestehe, ich bin ein Gefühlsmensch. War es schon immer. Ich habe schon nach Harrisburg gegen die Atomenergie demonstriert, nach Tschernobyl erst recht. Dass ich heute wieder auf die Straße gehe, ist selbstverständlich. Jeder, der ehrlich mit sich selbst ist und um die Unberechenbarkeit der Gefühle und Stimmungen in sich weiß, jeder, der nicht der Fata Morgana verfallen ist, im Menschen eine perfekte rationale Maschine zu halluzinieren, sollte sich einreihen in ein Aufbegehren gegen diese unbeherrschbare todessehnsüchtige Technik.

Samstag, 5. März 2011

DIE METAPHYSISCHE SEHNSUCHT UND DER FREIHERR

Obwohl es eigentlich wenig mit den zentralen Themen dieses Blogs zu tun hat, kann ich nicht umhin, noch mal ein kleines Bisschen meines Senfs der erregten Debatte um unsere kürzlich zurückgetretene politische Lichtgestalt zuzufügen.
Allein ausgehend von der Präsenz des Themas im Internet werden hier zwei gegenläufige Trends sichtbar:
  • Die eine Tendenz, die sich empört und engagiert hat, richtig mit Arbeit, nämlich die fragliche Dissertation einer genauen Prüfung zu unterziehen. Denen sei an dieser Stelle mein Dank ausgesprochen, denn diese Leute haben daran gearbeitet, fleißig und konkret, die Propaganda auf den Boden der Fakten zu befördern. Diese Leute haben dafür gekämpft und es mit wissenschaftlicher Akribie verstanden, die Ehre der Wissenschaft zu retten.
  • Die andere Tendenz, engagiert und mit großem Zulauf im Internet, sind diejenigen, die in Karl-Theodor zu Guttenberg nach wie vor den Hoffnungsträger sehen und auch nach seinem Rücktritt lautstark die Ungerechtigkeit der Welt beklagen, dass diese Lichtgestalt der Politik für einige Zeit nun in der Versenkung verschwinden muss.
Das Ganze gleicht schon zwei Lagern, geistigen Bürgerkriegsparteien, die sich unversöhnlich gegenüber stehen. Der Freiherr scheint zur Glaubensfrage geworden zu sein. Um welchen Glauben geht es hier?
Um den Glauben an das Licht, an Lichtgestalten, an Reinheit, an edle Ethik … in dieser geistig dunklen Zeit drückt dies vielleicht die verborgene spirituelle Sehnsucht vieler Menschen aus – bei den einen geht es darum, das Licht, die edle Ethik der Wissenschaft zu bewahren oder wiederherzustellen, ihre Glaubwürdigkeit zu schützen. Bei den anderen gilt das gleiche für den Bereich der Politik, auch sie wollen glauben, dass es Licht, edle Ethik und Lichtgestalten geben kann in diesem Haifischbecken.
Die Wahrheit ist: es gibt weder Licht noch edle Freiherrn, weder in der Wissenschaft noch in der Politik. Aber die spirituelle Verarmung unserer Kultur lässt die metaphysische Sehnsucht der Menschen auf ganz eigenartigen Spielfelder erscheinen.

Montag, 21. Februar 2011

DER ADEL DER FÄLSCHUNG

Es ist schon erstaunlich, welche Doppelmoral, nein Vierfachmoral in den Führungseliten dieser Republik herrscht. Natürlich sind es die politischen Gegner, die den guten adeligen Doktor zu Fall bringen wollen, linker oder noch linker. Das steht nun mal außer Frage. Dass er ein ernst zu nehmender Gegner für Merkel ist und Deutscher Umfragemeister ist, macht ihn zum politischen Gegner, in dessen Abfalltonne gern mal gewühlt wird.
Aber dass man derart fündig werden kann, davon hätten selbst diese politischen Gegner wohl kaum geträumt. Eklatante Fälschungen der Diss! Na, prima, da lachen sich viele ins Fäustchen. Mein lieber Herr Doktor, wie konnten Sie nur mit solchen Leichen im Keller in die Politik gehen? Dass das nach hinten los geht, das kann sich doch jeder an einer Hand ausrechnen. Hat der gute Karl-Theodor wirklich geglaubt mit einer Dissertation, die 267 Plagiate enthält (Stand von heute), sich durchwursteln zu können?
Was lernen wir dabei? Wie schon meine Oma immer sagte: "Es ist nicht alles Gold, was glänzt."

Mittwoch, 16. Februar 2011

DIE GEBROCHENE HAND DES FERNSEHGOTTES

Heute früh in Facebook, da staunte ich ja nicht schlecht, als ich in der Timeline las, dass ein gewisser Frank Elstner seine Hand gebrochen hatte. Es schloss sich eine detaillierte Schilderung dessen an, wie dieses Unglück geschehen konnte. Wer um Himmelswillen war Frank Elstner? Auch da nahm mich die Nachricht bei der Hand. Er wurde mir vorgestellt als ehemaliger Moderator einer Sendung namens "Wetten dass ..." oder so was ähnliches. Naja gut, dachte, offenbar gibt außer mir genügend Menschen, die es brennend interessiert, dass Herr Elstner als ehemaliger Moderator einer Sendung im Fernsehen, die offenbar jeder kennt, sich die Hand gebrochen hat. Zu arg auch, sowas.
2 Stunden später in der Berliner U-Bahn: Dort hängen in den Waggons ja immer diese kleinen Fernsehschirme, über die dann die wichtigsten Weltnachrichten, naja, sagen wir mal Berlin-, Sport- und Prominentennachrichten flimmern. Da guckt man halt mal hin, wenn sonst nix los ist im Wagen. Und, was lesen meine Augen: Frank Elstner hat sich die Hand gebrochen. Wie es dazu kam, dass Frank Elstner die Hand gebrochen hat. Und: wer Frank Elstner eigentlich ist, ein Extra-Service für Dummies wie ich einer bin.

Jetzt bin ich tief beeindruckt von Herrn Elstner. Der muss ja ein ganz ganz wichtiger Typ sein, ein Held, vielleicht sogar ein Fernsehgott. Denn die ganze Welt scheint sich ja dafür zu interessieren, dass der Arme sich die Hand gebrochen hat. Und ich interessiere mich jetzt natürlich für Frank Elstner. Den muss ich unbedingt kennenlernen, diesen ungemein wichtigen, großartigen Fernsehgott! Bevor ich noch mal unangenehm auffalle als jemand, der bei solchen Nachrichten nur Bahnhof versteht.

Dienstag, 15. Februar 2011

DER MANN MIT DEM KOFFER

Es gibt eine Talkshow, die mittags auf einem dieser privaten Bildungssender stattfindet, die heisst ganz einfach Britt. Britt ist eine ebenso junge wie attraktive Blondine, die, soweit ich das bisher einsehen konnte, Paare in ihre Talkshow einlädt, bei denen es – möglichst exotische – Partnerschaftsprobleme gibt. Der dramaturgische Höhepunkt dieser Talkshow ist, dass ein Mann mit einem Koffer die Bühne betritt. Er wird bejubelt und beklatscht vom Studiopublikum, welches diesen Herrn, so scheint es, im Chor mit Namen ruft, ihn also wie einen Torschützen im Fussballstadion lautstark begrüßt.
Da fragt sich der unbedarfte Fernsehzuschauer: Was mag der wohl in seinem Koffer haben? 500 Euroscheine für alle? Kfz-Briefe für jeden Studiogast? Die neuesten Geheimakten von Wikileaks?
Weit gefehlt. Nichts von alledem. Es ist ein Umschlag, den er der blonden Talkshowgastgeberin Britt übergibt und, man mag es kaum glauben, in diesem Briefumschlag ist das Ergebnis eines Lügendetektortests. Ja, Sie haben richtig gelesen, darüber freuen sich alle Zuschauer, darüber sind sie so hoch beglückt. Warum werden Sie fragen. Tja, so richtig habe ich das auch nicht verstanden. Nur soviel: Es geht im Wesentlichen immer darum, dass ein Partner den anderen belogen und betrogen hat und der Lügendetektortest das sicher aufdeckt.
Eines scheint ja das durchgängige Problem bei all diesen Talkshow-Gästen zu sein: dass der eine “fremd gegangen” ist (mit einem anderen als dem Beziehungspartner Sex hatte) und der andere das nicht so gut fand. Sexuelle Treue scheint jedenfalls das zentrale Problem zu sein, das Privateigentum am Menschen das höchste Gut für das Beziehungsglück. Das dann mithilfe des Lügendetektors und Britts erfolgreich und sicher gelöst wird.
Sicher, das heisst 100% sicher. Lüge oder Wahrheit sind in dieser Sendung immer 100%. Das ist tröstlich, das ist wundervoll. Deswegen bin ich inzwischen ein großer Fan dieser Sendung: Weil ich dort endlich die 100% Wahrheit kennenlerne. Die suche ich nämlich schon ein ganzes Leben.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Indianisches Sprichwort

Ein Indianisches Sprichwort sagt:
Glaube nichts, weil ein Weiser es gesagt hat.
Glaube nichts, weil alle es glauben.
Glaube nichts, weil es geschrieben steht.
Glaube nichts, weil es als heilig gilt.
Glaube nichts, weil ein anderer es glaubt.
Glaube nur das, was Du selbst als wahr erkannt hast.
Geh aufrecht wie die Bäume.
Lebe Dein Leben so stark wie die Berge.
Sei sanft wie der Frühlingswind.
Bewahre die Wärme der Sonne im Herzen
und der Große Geist wird immer mit Dir sein.
aus: DER RUF NACH WAHRHEIT Indianisches Sprichwort
conny
Tue, 01 Feb 2011 15:00:00 GMT
Ein so schöner Text, der in einfachen Worten all das sagt, was wesentlich ist in einem Leben, in dem die Lüge sich dauernd als Wahrheit verkleidet, sei des in den Medien, der Werbung, der Politik oder den kleinen Lügen in den gesellschaftlichen Mikrokosmen – und vor allem den Lugen, die man sich selbst antut.

Mittwoch, 9. Februar 2011

BLACK SWAN

Zugegeben, ich bin alles andere als ein Cineast. Und gehöre auch nicht mehr der Generation an, die mehrmals im Monat zu Gast im Kino ist.
Ich wollte einfach mal mit meiner Liebsten wieder ins Kino gehen und habe, wie man das heute so macht, zu diesem Zweck mal eine halbe Stunde im Internet herumgesurft, was aktuell so “angesagt” ist. Ein Film zog meine Aufmerksamkeit mit Macht an: “Black Swan”.
Allein der Titel klingt vielversprechend. Normalerweise stellt man sich ja einen Schwan weiß vor. Ein “schwarzer Schwan” ist ein starkes Bild, ein suggestives Bild, eines, das direkt die Schattenwelt anspricht, die ja gerüchteweise auch in der menschlichen Seele ihren Ort haben soll. Zumindest behaupten dies ja so obskure Zeitgenossen wie Tiefenpsychologen, diese Saboteure der neurotischen Spießerglückseligkeit.
Kurzum, der Filmtitel passt wirklich. Es ging wirklich um genau diese Schattenwelt der menschlichen Psyche, welche das Sujet dieses Films ausmachte. Diese Schattenwelt wurde in starken surrealen, teilweise atemlos machenden Bildern in Szene gesetzt.
Im wesentlichen ist es ein Film über Kunst, ein Film über darstellende Kunst, um es eingegrenzter zu formulieren. Die Wirkkräfte, die auch für einen guten Schauspieler, Darsteller von Charakterrollen gelten, haben auch Gültigkeit für die hohe Schule des Balletts.
Die Protagonistin, dargestellt von der schauspielerisch eindrucksvollen Natalie Portman, lernt, alle Facetten ihrer Psyche zu mobilisieren, um ein darstellerische Glanzleistung für die Besetzung der Hauptrolle im Ballet "Schwanensee" zu realisieren.
Ein zentrales Thema der filmischen Erzählung ist der Versuch der Transformation des Narzissmus des Künstlers durch Integration der innerseelischen Abgründe. Dieser Versuch misslingt, denn die Protagonistin bleibt – auch begrifflich – in der Dimension des künstlerischen Narzissmus stecken, ausgedrückt in ihrer Schlussaussage: “Ich habe es gefühlt. Es war perfekt. Es war perfekt.”
Unter dem Aspekt der narzisstischen Befriedigung durch das Publikum und die Fachwelt war sie erfolgreich, unter dem Aspekt der Transformation ihrer Persönlichkeit hat sie versagt. Denn trotz aller Opfer, trotz aller Qualen, trotz allen Aufbegehrens (insbesondere gegen die übermächtige Mutter) hat sie das Paradigma des Narzissmus nicht verlassen können. Sie blieb tragisch eingekerkert in das System des narzisstischen Ego. Die Quelle ihrer Hingabe blieb ihr Ich-Ideal. Jedes ihrer Opfer an seelischer und am Ende auch körperlicher Gesundheit gab sie auf dem Altar des Beifalls - dem Publikum, der Kunst, dem Image. Sie gab alles für die Bewunderung anderer ... aber lieben konnte sie nicht, weder andere noch sich selbst.


Soweit zum Inhalt. Es ist erfreulich, dass ein solcher Film eine derart positive Resonanz erzeugt. Er gilt sogar als Oscar-Kandidat, wie ich gelesen habe. Ein Film, der in starken Bildern das Thema der seelischen Schattenwelt im Auftrag der darstellenden Kunst in den Mittelpunkt stellt. In mancherlei Hinsicht erinnert er mich stark an den großartigen Film “Nachtblende” mit der begnadeten Romy Schneider und dem unvergleichlichen Klaus Kinski, der Anfang der 70er Jahre das gleiche Sujet bediente und seitdem einer meiner Lieblingsfilme ist. Manchmal lohnt sich auch ein Blick zurück, um schauspielerische Relationen wahr zu nehmen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.