Montag, 20. Februar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (151): Liebe als Tauschgeschäft

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Denn die falsche Welt gilt längst als richtig in der Welt der Erwachsenen. Die Beziehungsangebote der Mutter (und selbstverständlich auch die des Vaters) zeigen sich von den eigenen Selbstbeziehungsdefiziten geprägt: Ihr Umgang mit dem lebendigen Wesen des Kindes wird gesteuert von Konzepten und Kategorisierungen, von Urteilen und Leistungsdenken, von narzisstischen Aufwertungsbedürfnissen und dem phantasierten Blick des Anderen.

Die intuitiven und gefühlsmäßigen Ressourcen, das instinktive Wissen, Achtsamkeit und Stimme des Herzens, all die tiefen Gefühle, sie verlieren unter der Knute gehirndominierten Bindungsverhaltens. Sie verändern schlussendlich die Natur des Kindes: Es lernt, diejenigen Elemente seiner Natur in sich zu verleugnen, die in diesem Beziehungsmodell keine Resonanz erfahren.
  
So entsteht ein Phänomen, das wir (kulturelle) Tradition nennen. Eine Tradition, die sich auf allen Stufenleitern der Gesellschaft widerspiegelt. Eines der Fundamente dieser Tradition findet sich in der  ständigen Übererregung und der tiefgehenden Entspannungsunfähigkeit unserer Kultur, die einher gehen mit der Hochmut, Ignoranz und Unkenntnis gegenüber allen Seinsaspekten des Lebens.

Die subtile Botschaft, die bereits dem jüngsten menschlichen Lebewesen in unserer Kultur vermittelt wird, lautet: „Du bist nur etwas wert, wenn du was machst, handelst, agierst, Erwartungen erfüllst, die an dich herangetragen werden. Du bist nichts, wenn du einfach nur bist oder sein willst.“

Was zunächst auf den archaischen Stufen der Entwicklung als rein organismische Information existiert, wird später zur durchgängigen charakterbildenden Botschaft: Liebe wird gewährt aufgrund von Erwartungserfüllung, einem von der Lebensumwelt formulierten Anspruch, aber nicht um des Seins, der Existenz eines Menschen willen. Diese charakterbildende Liebe will erarbeitet sein, sie ist unmittelbar mit der leistungsorientierten Dominanz des Gehirns verbunden. Sie verdeckt die Liebes- und Bindungsimpulse des Herzens, und das die Liebe als Selbst- und Welterfahrung verkümmert.

Was ist diese charakterbildende Liebe für eine Liebe? Ist sie eine Liebe, die mir ermöglicht, mich selbst anzunehmen und zu lieben, wie ich bin, den anderen anzunehmen und zu lieben, wie er ist, die Natur anzunehmen und zu lieben, wie sie ist?

Oder liegt hier nicht vielmehr die tiefe narzisstische Kränkung einer kranken Kultur verborgen, die in jedem Menschen aufscheint: Liebe als etwas erfahren zu haben, das nicht seinem eigentlichen Wesen, seinem Sein gilt, sondern nur im Tausch zu den Ansprüchen verkauft wird, die an ihn herangetragen werden. Dass dies kein Liebe ist, sondern nur ein entfremdetes Konzept von Liebe, "das weiß doch jedes Kind" ... aber kaum ein Erwachsener. Der hat es meist vergessen auf dem Weg des Erwachsenwerdens.

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 18. Februar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (150): Wie die falsche Welt als richtig erlebt wird

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An dieser Stelle schließt sich eine naheliegende Frage an: Welche Folgen könnten sich daraus ergeben, wenn die Schwangere oder die stillende Mutter aufgrund durchgängiger innerer Unruhe nicht in der Lage ist, eine energetische Verbindung und Resonanz zum Fötus oder Neugeborenen aufzubauen?

Wenn eine Mutter Schwierigkeiten hat, ihrem Kind auf der Ebene eines „Nur-Da-Seins“ den biologisch erwarteten Halt zu bieten ... ohne in die Unruhe des Machens oder im Bewusstsein antizipierten Machens zu verfallen, ist das ein banaler Vorgang, dem keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss oder hinterlässt dies Spuren in der Beziehung oder im Kind selbst?

Was könnte es bewirken, wenn Foetus oder Neugeborenes jedes Mal, wenn sie in den Zustand seliger Trance zu gleiten versuchen, was ja ihre Natur in dieser Entwicklungsphase ist, wie wir oben ausgeführt haben, durch eine unruhige oder hektische Lebensumwelt daran gehindert wird?

Naheliegend ist, dass das Baby aus solchen natürlichen Entregungsphasen herausgerissen wird bzw. sie gar nicht erst erfahren kann. Die aus seiner „organismischen Wahrheit“ stammenden Impulse nach Tiefenentspannung werden von der Lebensumwelt blockiert. Das Baby bleibt isoliert in seiner Erfahrungswelt, ohne Resonanz, ohne liebende (Herz)Verbindung mit diesem Teil seiner Natur und seines Wesens. Es gibt kein Echo, keine Einstimmung, keinen Kontakt.

Das Baby mag protestieren, alarmiert sein, möglicherweise wütend, schreiend. Am Ende jedoch wird es die eigenen organismische Wahrheit in sich abspalten müssen. Je nach Intensität dieser Erfahrungen wird es verdrängen, resignieren und die ungestillte Sehnsucht nach Verschmelzung tief in seiner Seele vergraben. (Wohlgemerkt: Ich spreche hierbei nicht von punktuellen, sondern von durchgängigen, strukturellen und strukturgebenden Erfahrungen.)

Die Unfähigkeit des Säuglings, sich zu entspannen, zur Ruhe zu kommen und Entregungsprozesse (die ich als das Gegenteil der Erregungsprozesse ansehe) zuzulassen, tritt in extremer Form in Verbindung mit dem sog. Schreibabysyndrom auf. Hier zeigt sich das Baby in höchstem Maße alarmiert, was u. a. mit lang anhaltenden Schreianfällen, chronischen Schlaf- und Einschlafstörungen, organismischen Blockierungen und Kontaktstörungen einhergeht.

Bei diesem Syndrom zeigt sich das Phänomen, dass der Körper, welcher nicht ausreichend Halt erfährt, sich zwangsläufig selbst Halt in Gestalt von akuten Blockierungen auf der energetischen und muskulären Ebene verschafft. Dies basiert auf der Tatsache, dass die Mutter über die inneren Ressourcen verfügt, um ihrem Kind notwendigen Halt und Ruhe anzubieten, denn sie leidet unter innerer und äußerer Haltlosigkeit. [Diederichs 1999]

Die organismische Botschaft, die Konditionierung, die hier vermittelt wird, könnte aus der Sicht des Babys (und in der Sprache der Erwachsen) lauten: „Das Bedürfnis nach tiefer Entspannung ist eine einsame Erfahrung, die niemand mit mir teilt, nicht einmal meine Mutter. In dieser Einsamkeit verliere ich Verbindung, Verbindung zu ihr und Verbindung zu allem um mich herum. Dazu wirken dauernde Störungen, Lärm, Hektik, Unruhe. Sie machen es mir schwer, loszulassen, mich zu entspannen, in diese wohltuenden tranceartigen Zustände zu gehen, die ich doch eigentlich so sehr brauche.“

Derartige Bedürfnisse auf der Seinsebene werden als resonanz-, respekt- und (ver)bindungungslos erfahren. Sie werden als falsch erlebt. Und die falsche Welt am Ende als richtig.

(Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 15. Februar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (149): Wenn die Bindungsimpulse des Herzens verkümmern ....

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Auf einer tieferen Ebene trägt diese Konfrontation des Säuglings mit der chronischen inneren Unruhe und Unfähigkeit zur Entspannung auf Seiten der Mutter zur Verleugnung der eigenen organismischen Wahrheit bei. Sie bildet den Anfangspunkt einer langen Kette von Anpassungen an eine kulturelle Lebensumwelt, in der nicht seine organismisch-energetische Wahrheit, sondern die (Fehl-)Interpretation, Domestizierung und Zivilisierung der inneren Natur des Kindes im Vordergrund steht. Die beliebig austauschbaren Konstrukte des Ego-Verstandes treten so ihre Herrschaft über seine bio-emotionalen Bedürfnisse und intuitiven Potentiale an.

Die Bindungsimpulse des Herzens verkümmern. Das Kind lernt, dass Erklärungen, Worte, Definitionen mehr bedeuten als seine innere Wahrheit. Das betrifft insbesondere das Gefühlsleben bzw. bestimmte Bereiche des Gefühlslebens, vor allem aber die Bindungs- und Verbindungsimpulse des Herzens. Das Kind lernt, sie zu verformen oder zu verleugnen, wenn sie keine Resonanz und Verbindung finden, bis sie schließlich ganz verstummen. So zivilisiert, will und soll es später, erwachsen geworden, lieben: Das Leben, den Partner, die eigenen Kinder.  

Ein weiterer, systemischer Faktor spielt eine wichtige Rolle. Wie bereits erwähnt, lassen sich die Herzcode-Informationen und Lebensenergie selbst als ubiquitär, d. h. als überall präsent betrachten. Es findet ein ständiger, unbewusster Austausch von Energie- und Herzcode-Informationen zwischen den Lebewesen statt. Auf diesem Hintergrund ist es naheliegend, dass die Herzcode-Informationen der unmittelbaren Lebensumwelt und der Familiengeschichte der werdenden Mutter auf Verlauf und Prägungen der Schwangerschaft Einfluss nehmen.

Eine Feststellung, die jedem, der auf diesem Feld arbeitet, durchaus vertraut ist. Auch für den Prozess der Persönlichkeitsbildung des Kindes wirken diese Einflüsse, die gesamte charakteranalytische Lehre in der Tradition Reichs gibt hierzu zahlreiche Hinweise. [Hierzu: Johnson 1990, Lowen 1992, Kurtz 1985, Baker 1980]

Darüber hinaus finden sich kulturspezifische und gesellschaftlich-soziale Faktoren, die in der jeweiligen Generation auf solche Entwicklungsprozesse Einfluss nehmen. Diese folgen in der Regel auf sozialhistorische Veränderungen im Arbeitsprozess folgen. Die enorm hohe Arbeitsintensität, die sich aktuell als Standard durchgesetzt hat, bildet Stressoren, die in der Persönlichkeit Spuren hinterlässt. Ein Mensch, der im Beruf stets auf Hochtouren laufen muss, tut sich schwer, die entsprechenden Spuren in seiner Körperseele auszuschalten, wenn er "Feierabend" hat.

So existieren zahlreiche Wirkkräfte, die in unserer Kultur auf Schwangerschaft und frühkindliche Entwicklung ausstrahlen und insbesondere für die Ausbreitung von Selbstbeziehungsdefiziten verantwortlich sind. Gehetzsein, die verbreitete Unfähigkeit zur Entspannung sind ein auffälliges gesamtgesellschaftliches Phänomen, dem viele Millionen Menschen mit Alkoholabusus, Schlaftabletten u. ä. begegnen.

Auf diesem Hintergrund gilt ein besonderes Augenmerk diesen zunehmenden Einschränkungen des mütterlichen und familiären Systems zu jener angemessenen Präsenz auf der Seinsebene, die der Körperseele des Neugeborenen angemessen ist.

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 28. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (148): Wenn nach dem Stillen "noch sooooo viel zu tun ist ..."

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Die verbundene Trance führt den vegetativen Zyklus der Schwangerschaft fort, d. h. sie ermöglicht eine Fortführung der pränatalen Verschmelzungserfahrungen und vertieft so die frühkindliche Mutter-Kind-Bindung. Sie bejaht und unterstützt die bio-energetische Wahrheit im Organismus von Mutter und Säugling, die extrauterine vegetative Kontaktqualität knüpft an die intrauterine Erfahrungswelt unmittelbar an.

Wenn der Milchfluss der stillenden Mutter den Strom ihrer lebendigen Liebe darstellt, dann bildet die orale Trance die Erde, den Boden, in der dieser Strom fließt. Sie erinnert darüber hinaus an jene sonderbare Erscheinungsform der postorgastischen Trance, von der bereits an anderer Stelle die Rede war.

Doch erscheint der Boden für diesen Fluss der Liebe in unserer modernen Leistungsgesellschaft allein dadurch zu erodieren, dass das Blinken des mentalen Displays immer hektischer aufleuchtet: »Zeit«, »Arbeit« ist dort zu lesen.

So folgt manche Mutter nicht ihren natürlichen Impulsen, sondern der Agenda ihrer in der Gedankenwelt und ihrem Überich eingepflegten »wichtigen« Verpflichtungen.

Die Vorstellung der Hingabe an einen tranceartigen Zustand mit einem Baby kann bei manchen Müttern bereits deutliche Abwehrmuster mobilisieren. Diese haben eines gemeinsam: Es existieren 10.000 Erklärungen, warum dieses Loslassen nicht sein nicht sein darf ... »Es ist noch sooooo viel zu tun ... jetzt reicht es aber, wie sieht die Wohnung denn aus ... wenn das Baby schläft, kann ich endlich mal ... « usw.

Ein für unsere moderne Leistungsgesellschaft typisches Muster besteht während der Stillzeit also darin, dass dann, wenn am Ende des Stillprozesses der natürliche Impuls zur Entspannung und Trance spürbar wird, dieser ignoriert, unterbrochen oder abgewürgt wird. Geschieht dies wiederholt oder dauerhaft, so zieht dies signifikante bio-emotionale Folgen für die Körperseele des Babys, der Mutter und der Bindung zwischen beiden nach sich.

Die Unruhe und Unfähigkeit zur tiefen Entspannung überträgt sich sukzessive auf das Baby. Dieses wird unruhig, beginnt zu schreien, was den potentiellen Stress der Mutter wiederum erhöht, das Baby noch mehr alarmiert usw. Ein Teufelskreis wird in Gang gesetzt.

(Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 25. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (147): Rhythmusstörungen der Säuglingsphase

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Betrachten wir die Entwicklungen nach der Geburt im 1. Lebensjahr, so spielt die Oralität hier bekanntlich die entscheidende Rolle. Dies gilt sowohl für die Beziehung zwischen Mutter und Säugling als auch für die Persönlichkeitsbildung des Kindes.

Es existiert in unserer Kultur eine augenfällige Vielfalt von Störungsmustern beim Stillen. Die für Säugetiere typischen instinktiven Verhaltensweisen, insbesondere Geburt, Säugen, Sexualität unterliegen beim modernen Menschen auffälligen Beeinträchtigungen. Ist hier der Preis für die »Zivilisierung« des Menschentieres, auf die es selbst so stolz ist: Nichts klappt mehr aus sich heraus, von allein. Insbesondere im Bereich instinktiver Verhaltensweisen führen Unsicherheiten, Irritationen und Kopfgeburten schnell zu persönlichen Katastrophen.

Stillprobleme können die Säuglingsphase zu einer für alle Beteiligten quälenden Erfahrung machen. Die Stillphasen werden purer Stress, wachsen sich zu Lebensdramen aus. Sie werden zur lustlosen Pflichtübung oder werden bereits nach ein paar misslungenen Versuchen abgebrochen.

Dazu tritt die verbreitete Unkenntnis und Tabuisierung von Themen wie dem oralen Orgasmus des Säuglings, sexuellen Lusterfahrungen der Mutter und den Eifersuchtsreaktionen der Väter auf die vom "vergesellschafteten" Brüste seiner Frau.

Für die Praxis der seinsorientierten Körpertherapie ist allerdings eine andere Besonderheit von Bedeutung, die entweder unbekannt oder ebenfalls tabuisiert ist: die orale Trance. Damit bezeichne ich das Phänomen eines tiefen Entspannungsimpulses im Anschluss an den Trinkvorgang, ein Geschehnis, das als biologisch-energetischer Impuls bei der stillenden Mutter und dem Säugling gleichermaßen in Erscheinung tritt.

An dieser Stelle ein ergänzender Hinweis: Nicht die Tatsache des Bruststillens an sich scheint mir der entscheidende Faktor für eine befriedigende Stillbeziehung zu sein. Vielmehr erweist sich der Seinskontakt zwischen Mutter und Säugling als bedeutungsvoller. Die bio-emotionale Qualität des Kontakts dürfte für die Bindung und die frühkindliche Entwicklung wesentlicher zu sein als die Art der Nährung selbst, egal ob Brust oder Flasche.

Die orale Trance der Säuglingsphase repräsentiert die Besonderheit bei stillenden oder auch flaschenfütternden Müttern, dass der Säugling, wenn er genügend getrunken hat, die instinktive Neigung zeigt, spontan in Trance zu fallen. Sein Gesicht wird dabei rosig (»Lumination«), ein seliges Lächeln erscheint, das Köpfchen gibt hingebungsvoll nach, die Augen verdrehen sich leicht nach oben, die Lider sinken, die Atmung verflacht sich (»Tranceatmung«), der Körper entspannt sich und wirkt schwerer als vorher. Dies alles sind Anzeichen einer typischen parasympathischen vegetativen Reaktion.

Bestehen liebevolle Bindung und keine vegetativen Rhythmussstörungen zwischen Mutter und Baby, dann wird auch sie den Tranceimpuls bei sich wahrnehmen und keine Scheu zeigen, diesem nachzugeben. Beide, Mutter und Säugling, fallen in einen Trancezyklus, der um die 20-25 Minuten dauert. Ein gemeinsames »Aufwachen« kann beobachtet werden und mündet typischerweise in einen spielerischen, von liebevoller Leichtigkeit geprägten, Aktivitätsdrang auf beiden Seiten.

Die verbundene Trance rekapituliert den vegetativen Zyklus während der Schwangerschaft, d. h. sie wiederholt die pränatale Verschmelzungserfahrung und vertieft die frühkindliche Mutter-Kind-Bindung. Sie bejaht und unterstützt die bio-energetische Wahrheit im Organismus von Mutter und Säugling.

(Fortsetzung folgt).

Sonntag, 22. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (146): Rhythmusstörungen um die Geburt herum

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Welche Einflüsse auf den vegetativen Kontaktimpuls folgen aus diesen aktuellen Geburtspraktiken?

Energetisch betrachtet lässt sich festhalten, dass die vielfältigen traumatisierenden Faktoren während der Geburt nicht nur eine »Sectio« (»Sectio«, eigentlich »Sectio caesarea«, bezeichnet den medizinischen Fachbegriff für den Kaiserschnitt. »Sectio« heißt also im Deutschen »Schnitt«) ins Fleisch der Gebärenden darstellen. Sie bilden gleichzeitig eine »Sectio« in das Energiesystem der Mutter, in die Verbindung von Mutter und Kind und damit auch in die Körperseele und die bio-emotionale Entwicklung des Neugeborenen.

Bei natürlichen Geburten hingegen lässt sich leicht beobachten, dass auch im perinatalen Szenario nicht nur die Bindung, sondern auch der gemeinsame vegetative Rhythmus noch weitgehend ausgebildet und sichtbar ist. Hier erscheinen Mutter und Kind als gut eingespieltes Team, wenn wir die natürlichen Übereinstimmungen im Tag- und Nacht-, sowie den Erregungs- und Entregungs-Rhythmus betrachten.

Das legt den allgemeineren Schluss nahe, dass unterschiedliche Rhythmen, auf welcher Ebene sie – in akuter oder chronifizierter Gestalt – auch  erscheinen mögen, eine Störung des vegetativen Konaktimpulses und damit des Seins-Kontakts repräsentieren. Eine Störung, die normalerweise wenig Beachtung findet, ja belanglos erscheint.

In dem äußerst sensiblen Mutter-Kind-System der ersten Lebenswochen wirkt sie als deutlicher Hinweis auf Ungleichzeitigkeiten und eine Arhythmie im energetischen Kontakt. Bleibt sie unbeachtet bestehen, so wäre zu untersuchen, ob diese frühen Störungen im vegetativen Rhythmus nicht Ausgangsbasis für Bindungsstörungen und Persönlichkeitsmuster bilden, die sich später daraus ergeben.

(Fortsetzung folgt)

Donnerstag, 19. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (145): Geburtstraumata in der aktuellen Geburtshilfe

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Manche Symptome der Kindheit können in Zusammenhang gebracht werden mit den Geburtstraumata und perinatalen Bindungsstörungen: das Schreibaby-Syndrom, Schlafstörungen des Babys, dauerhaft erregtes sympathisches Nervensystem, Angstträume, chronifizierte Kinderängste, ADHS, Entwicklungsstörungen ohne physiologischen Hintergrund, Verhaltensauffälligkeiten usw.

Was tut sich in der Geburtshilfe? Gibt es hier Hinweise, dass der hohe Traumatisierungsanteil abnimmt? Eine Hebamme schreibt:

"In der Entwicklung der Geburtshilfe bewegt sich immer alles in Wellen. Die Amplitude der Extreme ist relativ groß. Von der programmierten Geburt, über die Hausgeburts- & Geburtshausbewegung, die wiederum positiv auf die Kliniken abfärbte, und grüne Kacheln und Klinikbetten in bunte Wände und Badewannen verwandelte, hin zum aktuellen Sectio-Trend „Save your Love-Channel“, erwarte ich bald wieder eine neue Gegenbewegung. Die Alleingeburten zeigen es schon und erhitzen bereits die Gemüter.
Frauen wollen sich nicht kontrollieren lassen – sie wollen wieder mehr ihrem Körper vertrauen dürfen! Und auch wenn ich Alleingeburten per se nicht gutheißen kann, verstehe ich sie doch als extreme, nachvollziehbare Reaktion auf die momentan “regelverseuchte” Geburtshilfe."(https://www.hebammenblog.de/normale-geburt-vom-aussterben-bedroht/, 04.12.2016)

Alleingeburten sind ein ebenso neuartiger wie extremer Trend, bei denen Frauen allein in der Natur ihr Kind gebären. Der Hauptverantwortliche für Geburtstraumata in der aktuellen Geburtshilfe findet sich nach wie vor in der hohen Anzahl von Kaiserschnittgeburten. Diese nehmen in Deutschland weiterhin zu, etwa ein Drittel aller Neugeborenen werden per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht.(https://de.statista.com/statistik/daten/studie/71897/umfrage/entbindungen-und-entbindungen-per-kaiserschnitt-in-deutschland/, 03.12.2016) Die WHO hält lediglich 10–15 % für berechtigt. Allerdings wünschen sich nur 3,8 % aller Frauen primär einen Kaiserschnitt.(https://www.hebammenblog.de/normale-geburt-vom-aussterben-bedroht/, 04.12.2016)

Wie kommt es zu dieser Diskrepanz? Der Trend basiert auf folgenden Hintergründen:

  • Den Ängsten der Mütter (Angst vor Schmerzen, Sorge um die Gesundheit des Kindes und um die eigene Unversehrtheit, Angst vor dem Unbekannten, Angst vor Kontrollverlust, Versagensängste), Perfektionismus, Leistungsdruck.
  • Der kulturelle Drang, all diese Ängste durch Normierungen und darauf aufbauende technisch-medizinische Vorgehensweisen unter Kontrolle zu bringen.
  • Die Ängste der Geburtshelfer vor juristischen Konsequenzen.
  • Die ökonomischen Vorteile für die Kliniken, eine Kaiserschnittgeburt trägt etwa doppelt so viel Geld in die Kasse der Krankenhäuser wie eine Vaginalgeburt.(http://www.eltern.de/schwangerschaft/geburt/kaiserschnitt-kosten.html, 4.12.2016) 

All dies trägt dazu bei, dass wesentliche Ursachen für Traumatisierungen durch die Geburt bestehen bleiben.

(Fortsetzung folgt)

Sonntag, 15. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (144): Der erste Augenkontakt und die Blicke der Liebe

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Neben dem ersten Stillen spielt der Augenkontakt für die ursprüngliche Bindung eine wesentliche Rolle. Der Augenkontakt stellt eine Verlängerung der Nabelschnur in die Welt dar, in welche der Säugling geboren wurde.

Neugeborene, die in einem Raum das "Licht der Welt" erblicken, der angenehm warm, abgedunkelt und ruhig ist, öffnen bereits nach wenigen Sekunden ihre Augen, wenn sie diese Welt draußen zum ersten Mal sehen. Ihre Augen suchen Begegnung, sie reagieren direkt auf den Augenkontakt, der Ihnen angeboten wird.

Diese erste Begegnung mit einem Neugeborenen im ersten "Augenblick" wird zu einer jener tiefen und wundervollen Erlebnisse, die man sein Leben lang nicht vergisst. In die Augen eines Neugeborenen zu blicken ist, wie in die Augen aller Menschen zu blicken, die jemals geboren wurden. Im Blick des Neugeborenen findet man Wahrheit, Weisheit, Mensch-Sein.

So entsteht ein erster, tiefer und langandauernder, entspannter Augenkontakt, in dem Liebe fließt. Ja, in diesem Augenkontakt wirken Blicke der Liebe, die sich verbinden und binden.Diese ursprüngliche Bindung direkt nach der Geburt besitzt also immense Bedeutung. Es ist naheliegend, dass etwa bei Kaiserschnittgeburten oder anderen operativen oder medikamentösen Eingriffen dieser Prozess erheblich irritiert oder gestört werden kann. Hier werden andere Weichen gestellt. Weichen für eine Beziehung, in der man irgendwie zusammen gehört, aber in man sich nicht so unsterblich ineinander verliebt wie im ersten Fall.

Geht diese ursprüngliche Bindung irgendwie schief, bedeutet das keineswegs, dass diese Chance für immer vertan ist. Niemals in der Entwicklung des Menschen trifft die Aussage, dass Liebe heilt, so sehr die Wahrheit, wie in den ersten Lebensmonaten. Man kann sich auch ineinander verlieben, wenn man sich langsam näher kommt und das gilt auch für die Bindung zwischen dem Säugling und seinen Eltern.

Allerdings, da wir es in unserer Kultur sehr häufig mit Menschen zu haben, deren Liebesfähigkeit Beschränkungen unterliegt, gelingt diese Art Heilung nicht automatisch. Die Bindungsstörung verfestigt sich. Fremdheit und vor allem die Abwesenheit von gelebter Liebe, sprich ein Mangel an Zuwendung, Einstimmung und Gefühlsanklang prägen die Beziehung.

Das Baby reagiert mit Protest, kämpft um die Liebe und resigniert irgendwann. Wie bereits ausführlich beschrieben, führt diese Mangel an liebevollem Halt zum Selbsthalt, zur Panzerung, zu Bindungs- und Beziehungsstörungen, zur Verleugnung seiner inneren Natur und zur Entwicklung einer darauf basierenden, vom Ego dominierten Persönlichkeit.

Die Bindungsstörungen der frühen Kindheit werden so zur Matrix zukünftiger Beziehungen der Erwachsenenwelt. Beziehungen, geprägt durch Spiegelungsbedürfnisse anstelle bedingungsloser Liebe, durch Vernunft und Kontrolle anstelle von Vertrauen und Hingabe.

(Fortsetzung folgt)

Freitag, 13. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (143): Warum schreit ein Baby nach der Geburt?

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Auch wenn brutale frühe Trennungen von Neugeborenem und Müttern heutzutage nicht mehr den Standard darstellen, so sind manche von Reichs Schilderungen auch heute noch hoch aktuell. Der offensichtlichste Hinweis auf extrem unlustvolle bis traumatische Erfahrungen in Zusammenhang mit der Geburtssituation ist das Schreien des Neugeborenen, ein Schreien, das mit der Mimik und Körpersprache des Schmerzes einhergeht. Warum sollte ein Neugeborenes derartig schreien? Das sind keine Lust- oder Freudenschreie, mit denen wir es bei der Geburt zu tun haben, sondern Schreie des Schmerzes und des Leids! Häufig wird es für so selbestverständlich gehalten, dass ein Baby nach der Geburt schreit ("stärkt die Lungen" ... was für ein Blödsinn), dass die emotionale Ausdrucksbewegung, die damit verbunden ist, völlig ausgeblendet wird. Wie so häufig, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Andere Faktoren sind dazu gekommen, welche die Geburt im bio-energetischen Sinne häufig traumatisch gestalten. Wehenhemmende oder wehenfördernde Medikamente, Narkotisierungen, Epiduralanästhesie, chirurgische Eingriffe, all dies stellen medizinische Interventionen dar, die nicht nur die natürlichen biologischen Impulse hemmen oder verzerren, sondern auch das energetische System von Mutter und Neugeborenen aus dem Gleichgewicht bringen und prägen können.

William Emerson, ein moderner perinataler Traumaforscher, stellt fest, dass »Geburtstraumata sehr häufig vorkommen. Durch seine Messungen hat er festgestellt, dass etwas 45 Prozent der Neugeborenen ein starkes Geburtstrauma haben, welches einer Behandlung bedarf. Bei weiteren 50 Prozent belegte er ein leichtes bis mäßiges Trauma, welches die Babys normalerweise ohne Behandlung selbst verarbeiten können.« (Emge, 2012, S. 5)

Ist dieses bio-energetische Gleichgewicht zwischen Mutter und Kind einmal gestört, so zeitigt das zunächst Folgen für die unmittelbare Beziehung zwischen Mutter und dem Neugeborenen.

Die ursprüngliche Bonding- oder Prägungsphase findet direkt nach der Geburt statt. Das Bindungshormon Oxytocin zeigt seinen höchsten Spiegel bis ca. 1 Stunde nach der Entbindung, der Saugreflex des Neugeborenen ist bereits vollständig ausgeprägt. Zahlreiche Studien zeigen, dass es eine sensible Prägungsphase gibt, die bis ca. 60 Minuten nach der Geburt andauert (Mitterhuber, Renate 2003). Das Neugeborene kann direkt nach der Geburt angelegt werden, die Nabelschnur ist exakt so lang, dass zum ersten Mal gestillt werden kann, ohne dass diese durchtrennt werden muss.

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 7. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (142): Das Trauma der Geburt

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Doch was war oder kann an der Geburt so traumatisch sein?

Beginnen wir mit den einfühlsamen Bemerkungen Wilhelm Reichs zu diesem Thema. Reich ist wissenschaftshistorisch in keinerlei Weise den angeführten wissenschaftlichen Traditionen der Pränatalpsychologie zuzuordnen. Auf Grundlage seiner eigenen Forschungen und therapeutischen Arbeit entwickelte er eine seismographische Wahrnehmung für die traumatischen Aspekte von Geburtspraktiken, die teilweise heute in vielen Ländern noch Gang und gäbe sind. Ich gebe hier in eigener Übersetzung ein längeres Zitat aus einem Interview wieder, das der Freud-Chronist Kurt Eissler 1952 mit Wilhelm Reich durchführte. Unter dem Titel »Reich speaks of Freud« wurde dieses Interview 1967 in Buchform veröffentlicht.

"Wenn ein Kind geboren wird, kommt es aus dem 37° warmen Uterus heraus in eine Temperatur von 18 bis 20°. Das ist schlimm genug. Der Schock der Geburt … schlimm genug. Aber es könnte überleben, wenn das folgende nicht geschehen würde. Wenn es herauskommt, wird es an den Beinen hochgehoben und auf den Po geschlagen. Die erste Begrüßung ist ein Schlag. Die nächste Begrüßung: es wird von der Mutter getrennt. Richtig? Ich möchte, dass Sie ganz genau hinhören. Es wird unglaublich klingen in hundert Jahren. Es wird von der Mutter getrennt. Die Mutter darf ihr Baby nicht berühren, nicht sehen. Das Baby hat keinen Körperkontakt mehr, nachdem es 9 Monate Körperkontakt hatte bei einer sehr hohen Temperatur – was wir den „orgonotischen Körperenergie-Kontakt“ nennen, den Feldkontakt zwischen beiden, die Wärme und die Hitze.
(…)
[anschließend beschreibt Reich die Praxis der Penisbeschneidung]
Beschneidung ist eines der übelsten Behandlungen von Kindern. Und was geschieht Ihnen dabei? Schau sie einfach an. Sie können nicht zu dir sprechen. Sie weinen, sie schreien. Dann ziehen sie sich zurück. Sie ziehen sich nach innen zurück, weg von dieser üblen Welt.

Ich drücke das hier sehr grobschlächtig aus, aber Sie verstehen, was ich meine, Doktor. Nun, das ist die Begrüßung. Es wird von der Mutter weggenommen. Die Mutter darf es nicht sehen. 24 oder 48 Stunden, nichts zu essen. Der Penis wird beschnitten. Und dann kommt das schlimmste: Dieses arme Kind versucht immer wieder vergeblich sich auszustrecken, um etwas Warmes zu finden, etwas, an dem es sich festhalten kann. Dann kommt es endlich zur Mutter, stülpt die Lippen über die Brustwarze der Mutter. Und was geschieht? Die Brustwarze ist kalt, oder erigiert nicht, oder die Milch kommt nicht, oder die Milch ist schlecht. Und das ist ganz allgemein so. Das ist nicht ein Fall von Tausend. Das ist ein generelles Problem. Das ist normal. Was macht das Neugeborene jetzt? Wie reagiert es darauf? Wie reagiert es darauf bio-energetisch? Es kann ja nicht kommen und dir erzählen „Oh, hör mal, ich leide so sehr, so sehr.“

Es weint und schreit einfach. Und, schließlich, gibt es auf. Es gibt auf und sagt „Nein!“. Es sagt nicht „nein“ in Worten, verstehen Sie, aber das ist die emotionale Situation. Wir Orgonomen wissen das. Wir erfahren es aus unseren Patienten. Wir bekommen es aus ihrer emotionalen Struktur heraus, aus ihrem Verhalten, nicht aus ihren Worten. Worte können es nicht ausdrücken. Hier, ganz am Anfang, entwickelt sich der Ur-Trotz. Hier entwickelt sich das „Nein“, das große NEIN der Menschseins. Und dann fragt ihr Euch, warum die Welt im Schlamassel steckt?“

(Fortsetzung folgt)

Sonntag, 1. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (141): Geburtstraumata und was John und Yoko damit zu tun haben

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Auch im perinatalen Umfeld kann durch Geburt und Geburtspraktiken, durch chirurgische oder medikamentöse Eingriffe, durch anhaltende Trennung von Mutter und Kind, der eingespielte Mutter-Kind-Rhythmus beeinflusst werden und verändert bleiben.

Dass eine Geburt überhaupt traumatisch sein kann, diese Erkenntnis ist noch nicht einmal 100 Jahre alt. Es war der Freud-Schüler Otto Rank (1884–1939), der 1924 mit seinem Buch "Das Trauma der Geburt und seine Bedeutung für die Psychoanalyse" als Erster auf die potentiell traumatisierende Eigenschaft der Geburten hingewiesen hat, damals nicht unumstritten.

Lange blieb die Auseinandersetzung mit den psychischen Prägungen der pränatalen Entwicklung und der Geburt ein Nischenthema, auch innerhalb der Tiefenpsychologie, ein Thema, das nur von wenigen Pionieren wie Donald W. Winnicott, Francis John Mott, Frank Lake und Gustav Graber weiterhin erforscht wurde. Graber gründete 1971 die bis heute aktive Internationale "Studiengemeinschaft für pränatale Psychologie" in Wien.

Einen deutlichen Aufschwung erfuhr die Pränatalpsychologie dann im Rahmen der Human Potential Bewegung und der Popularisierung der Körpertherapien Ende der 60er Jahre. Insbesondere Arthur Janov mit der Primärtherapie, Stanislav Grof mit seinem Holotropen Atmen und Leonard Orr mit seinem Rebirthing machten das Trauma der Geburt und die vorausgehende pränatale Entwicklung einem breiteren Publikum bekannt.

Eine besondere Rolle kam dabei den Pop-Idolen John Lennon und Yoko Ono zu, die als Klienten und Anhänger von Arthur Janov in ihren Songs nicht nur die Primärtherapie damals populär machten, sondern auch die Geburt selbst als traumatisches Erlebnis künstlerisch verarbeiteten.

(Fortsetzung folgt)

Donnerstag, 29. Dezember 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (140): Rhythmusstörungen in der vorgeburtlichen Entwicklung

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Bereits in der vorgeburtlichen Entwicklung können Rhythmusstörungen der Erregungs- und Entregungsprozesse, der Aktivitäts- und Ruhephasen auftreten. Dies geschieht durch die aktive oder passive Verleugnung der Schwangerschaft selbst, durch unangepassten, gehetzten Lebensstil, nicht reduzierte Arbeitsintensität, also vor allem durch negative Stressoren in der unmittelbaren Lebensumwelt der Schwangeren. Auffällige Arrhythmien im Aktivitäts-/Schlafzyklus zwischen Schwangerer und Fötus weisen darauf hin.

Neuere Forschungen zeigen, »dass Stress während der Schwangerschaft ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung von Depressionen im späteren Leben sein kann. Als eines der wenigen Zentren sind die Schlafmediziner im biomagnetischen Zentrum am Universitätsklinikum Jena in der Lage, die Hirnaktivität des Babys im Mutterleib und seinen Stressspiegel über magnetische Wellen aufzuzeichnen, die das Gehirn und das Herz durch die mütterliche Bauchwand aussendet.« (9monate.de, 21.10.2013)

»Ist eine erhöhte Stressempfindlichkeit [in der pränatalen Entwicklung, vkd] auch mit negativen Auswirkungen verbunden. Es gibt eine Reihe von Stress assoziierten Erkrankungen wie das ADHS, Depressionen und hohen Blutdruck und Hinweise darauf, dass eine erhöhte Stressempfindlichkeit das Schlaganfallrisiko erhöht, zu kognitiven Störungen und zu einer früheren Hirnalterung führt.« (Schwab, 15.09.2015)

Energetisch betrachtet ist negativer Stress eine Übererregung der Körperseele durch Stressoren, die über eine positive Stimulation hinausgehen. Eine Disbalance und verschiedene Abwehrreaktionen sind die Folge.

Emotionen wie Angstschreie, Weinen, der motorische und lautstarke Ausdruck von Schmerz oder Ärger, begleitet von entsprechenden körperlichen Ausdrucksbewegungen, sowie der gesamte Komplex der menschlichen Sexuualität repräsentieren die im Menschen verankerten Grundmuster, um Stressenergie abzureagieren, übermäßige Spannung und Erregung abzubauen. Damit kann die Körperseele zurück in den Bereich von Entspannung und Entregung schwingen und seine energetische Balance wiederherstellen.

Sind diese Wege versperrt, bleibt der emotionale Ausdruck durchgängig blockiert, ergibt sich daraus ein Ungleichgewicht. Entregungsprozesse werden verhindert, was sich u. a. in Schlafstörungen und der wachsenden Unfähigkeit zur Entspannung manifestiert.

In diesem Fall haben die äußeren Stressoren dermaßen an Wirkung gewonnen, dass die bio-emotionalen Kompensationsmechanismen nicht mehr zur Geltung kommen, um die Über-Erregung abzubauen. Dies kann nicht nur zu chronischen Ungleichgewichten in der Körperseele führen, sondern ist vermutlich auch dafür verantwortlich, dass der vegetative Kontaktimpuls empfindlich gestört wird oder ganz verschwindet. Als deren Spätfolge können Symptome seelischer und körperlicher Erkrankungen entstehen.

Die Ausprägung dessen, was »übermäßig« wirkt, scheint individuell definiert werden zu müssen. Wo die Voraussetzungen für die individuell unterschiedlichen Stressverarbeitungskapazitäten liegen, darüber lässt sich gegenwärtig nur spekulieren. Möglicherweise stellt das  "personale System des Herzcodes" (s. o.) einen Einflussfaktor dar.

(Fortsetzung folgt)