Samstag, 10. Februar 2018

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (230): Grenzen körpertherapeutischer Transformation

foto: vkd
Die körpertherapeutischen Herangehensweisen halfen dabei, diese zurückgedrängten, blockierten Emotionen in die Persönlichkeit zu reintegrieren. Eine Identifizierung mit den Gefühlen des »inneren Kindes« ging mit diesem Prozess einher.

Das narzisstische Ego, das ließ sich immer wieder beobachten, lernte, sich in körpertherapeutischen Prozessen mit den individuellen emotionalen Programmen zu identifizieren. Verdrängte oder abgespaltene Emotionen ließen sich so im Laufe des Prozesses reintegrieren. Soweit, so gut.
Damit war ein Transformationsprozess der Persönlichkeit allerdings nicht abgeschlossen. Denn was hier geschah, dürfte im besten Fall eine Umstrukturierung des narzisstischen Egos im Sinne einer Korrektur darstellen. Die vorher blockierten Gefühle zeigten sich erweitert, komplementierten im besten Fall das zwanghafte Denken und die Identifizierung mit den Konstruktionen des Ego-Verstands.

Was körpertherapeutische Therapien ermöglichten und der Klient lernte, bestand darin, vorher abgespaltene, verdrängte Gefühle und ihren emotionaler Ausdruck in die Persönlichkeit zu reintegrieren. Das Ich-Bewusstsein schloss das »innere Kind« liebevoll in die Arme. Doch war damit alles gut?

Beobachtungen an mir selbst und meiner Umgebung zeigten etwas anderes: Das Ich-Bewusstsein und die Selbst-Bezogenheit verloren nicht etwa an Intensität und Präsenz, sondern gewannen. Man erhielt den Eindruck, von lauter Egozentrikern umgeben zu sein, die sich nur mt sich selbst beschäftigten, deren Bezogenheit nur um ihr eigenes Wohlbefinden, ihre seelischen Wetterumschwünge und die sie selbst betreffenden Irritationen ihrer Umwelt kreisten. Die narzisstischen Persönlichkeitsmuster nahmen nicht ab, sie zeigten sich potenziert. Nur mit anderen Etiketten. Wo vorher »die anderen sind an allem schuld« draufstand, las man »ich bin viel geiler als die anderen«. An der Grundhaltung,
diese »Anderen« als Gradmesser der eigenen Identität zu betrachten, hatte sich nichts geändert.

Hier stieß man an eine Grenze dessen, was eine Körperpsychotherapie oder die Psychotherapie überhaupt zu leisten imstande war. Das alte »neurotische Gleichgewicht« ersetzte man durch ein korrigiertes seelisches Konstrukt. Die alte Geschichte dessen, wer man glaubte zu sein, ersetzte man durch eine neue Story. Eine Geschichte, die man sich und anderen in allem erzählte, was in der Persönlichkeit aufschien.

Doch fühlte sich der Klient automatisch in Einklang mit sich selbst und der Umwelt? Vermochte er jene Heimat und jenen Frieden in sich wahrzunehmen, die er einst verloren hatte? Lebte er Freiheit, innerlich und äußerlich, in seiner Lebensumwelt, Beziehungen und Bindungen? War die Spiegelungssucht, also der ständige Drang nach Anerkennung und Bewunderung durch andere, das fundamentale Defizit an Liebesfähigkeit, damit aufgehoben? Ließ sich dieser Weg als Beitrag zur Transformation der Persönlichkeit, zur Aufhebung der Selbstentfremdung, zur Befreiung aus der narzisstischen Falle betrachten?

Es fehlte ein entscheidender Schritt: die Des-Identifizierung der Person mit allen Gefühlen, die nach Dominanz, Macht, Kontrolle, obsessiver Artikulation oder zwanghaftem Ausdruck strebten. Solange das Gefühlsleben das Ego nährte und beherrschte, verhinderte das Ego die innere Freiheit und die Liebesfähigkeit.

Denn die Stimme des »inneres Kind« konnte im Alltag durchaus obsessiv machtbesessen und vollkommen egozentrisch und asozial agieren, als Abwehr und Widerstand im Therapieprozess wirken. Es ließ sich ein auffälliger Egozentrismus in der gesamten Körpertherapieszene beobachten, bei mir selbst, bei Klienten und Therapeuten, das mit einem deutlichen Mangel an sozialem Einfühlungsvermögen einherging. In den Verhaltensmustern und hinter allen Worten hörte ich Kinder, die verzweifelt schrien: »Ich, ich, ich!«

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 3. Februar 2018

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (229): Annäherung an das Phänomen des Narzissmus

foto: pixabay
Der Mammon erwies sich in der Szene als Tabuthema, man sprach nicht darüber. Dennoch schien es ein Gradmesser dessen zu dienen, was man für Erfolg hielt. Also alles wie im Leben, wie in der Gesellschaft, die uns umgab. Wie sollte es anders sein?

Nur: Befriedigend, erfüllend, glücklich machte das alles nicht. I can’t get no satisfaction blieb eine unausgesprochene Wahrheit, auch in den Transformationsversprechen der modernen Körpertherapien.

Später fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Der Antrieb all dieser Ambitionen fand sich in den Konstruktionen meines Ego-Verstands, jenen Rationalisierungen, die all das schön redeten, was an Widersprüchen und Unbehagen aufschien. Die sich nur daran interessiert zeigten, sich die konventionellen Symbole des Geliebtwerdens einzuverleiben und diese zu vermehren: soziale Anerkennung und Geld. Zeigte sich hier nicht die Bankrotterklärung von Liebesfähigkeit?

Ich sprach und lehrte über die Transformation der Persönlichkeit, über das energetische Strömen in Körper und Seele. Aber, Hand auf Herz, ich selbst fühlte mich nicht ständig lebendig und frei, sondern häufig gestresst, arbeitswütig und verbissen. Befand ich mich also auf dem besten Weg, als wichtigtuerischer »Wahrheitskrämer« (W. Reich) zu enden, der Körper und Lebensenergie in seine Wirklichkeitskonstruktion eingebaut hatte anstatt zum Beispiel Aktienhandel oder Gesetzesinterpretationen?

Denn in Wahrheit deutete alles darauf hin, dass ich aus narzisstischen Bedürfnissen nach Anerkennung und Erfolg agierte. Meine Aufmerksamkeit richtete sich nach außen, auf die phantasierten Blicke und antizipierten Urteile anderer. Meine Persönlichkeit erwies sich nicht als frei, trotz jahrelanger Therapie, Orgasmusreflex und vegetativem Strömen. Etwas stimmte hier nicht. Ich fühlte mich in einer Falle, gefangen in einem narzisstischen Teufelskreis aus Gedankenkonstrukten und der Gier nach Anerkennung.

Bei Weggefährten, in Beziehungen, wie sah es denn da aus? Offenbar auch nicht anders. In den sozialen Zusammenhängen, in denen ich mich bewegte, spielten bei genauem Hinsehen Rivalitäten und Machtambitionen eine ebenso zentrale Rolle wie die endemischen Bedürfnisse nach Anerkennung und Bewunderung. Hörte ich meinen eigenen Reden und denen anderer genau zu, dann stand hinter allem eine unausgesprochene Botschaft: »Finde das, was ich sage, toll. Halte mich für wichtig, bewundernswert, einzigartig, besonders, speziell, liebenswert. Liebe mich.«

Eigenartig. In mir wuchs allmählich die Erkenntnis heran, dass Narzissmus, die Gier nach den anerkennenden Blicken der Anderen, verbunden mit innerer Leere oder Armut, mehr darstellte als nur die Pathologie einer »Persönlichkeitsstörung«, wie es die vorherrschende Lehrmeinung seit Kohut suggerierte. Phänomene des Narzissmus schienen in jeder Persönlichkeit auf, in unterschiedlichen Ausprägungen. Sie präsentierten sich ubiquitär, überall um mich herum. In ihnen zeigte sich zudem eine Schattenwelt, die sich durch die Geschichte der Psychotherapie zog.

Grandiositätsphantasien zogen sich wie ein roter Faden von Freud über Jung und Reich bis hin in die aktuelle Generation von Psychotherapeuten. Nebenher, aber nicht zu verleugnen, ging dies einher mit Varianten subtilen narzisstischen und bisweilen sogar offenen sexuellen Missbrauchs von Klienten, ebenso tabuisiert wie verbreitet.

Wie wirkten sich narzisstische Persönlichkeitsmuster auf die therapeutische Arbeit aus? Welche Fragestellungen ergaben sich hierfür insbesondere in der Körpertherapie?

In der Kindheit lernte der Mensch, Gefühle und Emotionen in sich zu kontrollieren. Dies entsprach den jeweiligen Erwartungen und Rollenzuweisungen des sozialen Systems, in dem er aufwuchs. »Ein Junge weint nicht, ein braves Mädchen lächelt immer nur, aber wird nicht aggressiv.«

Entsprechende charakterliche und körperliche Blockierungen entwickelten sich, um bio-emotionale Impulse zurückzuhalten und zu kontrollieren. Letztere standen später dem erwachsenen Menschen nicht mehr zu Verfügung. Wenn der Junge lernte, den Ausdruck von Trauer in sich zu chronisch zu kontrollieren, um sich niemals mehr verletzlich zu zeigen, vermochte er als erwachsener Mann nicht mehr zu weinen. Das Mädchen, das lernte, aggressive Impulse zurückzuhalten, um »brav« zu erscheinen, lächelnte als erwachsene Frau auch dann noch, wenn ihre Grenzen massiv überschritten wurden. Der zum Mann herangewachsene Knabe ließ weiche, zarte Gefühle nicht mehr zu, das zur Frau erwachsene kleine Mädchen vermochte nicht mehr klar und vehement für seine Interessen kämpfen.

(Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 17. Januar 2018

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (128): Der narzisstische Teufelskreis

foto: pixabay
Damit trat das Thema Bindung in einen deutlichen Zusammenhang mit den energetischen Erfahrungen von Verbindung, die ein Mensch in seiner frühesten Entwicklung macht. Dies gilt insbesondere für die pränatale Phase und das erste Lebensjahr, in denen sich die Mutter-Kind-Bindung und das energetische (ich benutze hier den Begriff »energetisch«, um damit all die sensitiven, instinktiven, intuitiven und gefühlsbezogenen Potentiale zusammenzufassen, die im Vorfeld der Ich-Entwicklung und Wortsprache das Kind kennzeichnen) Wesen des Menschen am deutlichsten darstellen.

Gleichzeitig ließen sich nicht nur bei mir selbst, sondern bei allen erwachsenen Menschen eine auffällige übermäßige Identifizierung mit dem Verstand, seinen Urteilen und Konstrukten, beobachten. Dazu trat ein nahezu endemisches Bedürfnis nach den anerkennenden Blicken der anderen, der süchtige Wunsch, sich in inneren oder äußeren Wertsystemen sozial gespiegelt zu sehen. Ich kam also hier mit Fragen nach dem Wesen des Narzissmus, des Egos oder des narzisstischen Egos in Berührung. Ein heißes Eisen.

Was Bindung und ihre Störungsmuster betraf, versuchte das patriarchalische Modell von Therapie vom Olymp des diagnostischen Ego-Verstands herab, Symptome aus der präverbalen Entwicklungsstufe zu behandeln. Einer Phase, in der Verschmelzungserfahrungen, Nur-Körper-Sein, energetische und emotionale Präsenz jenseits der Gedanken und Begriffe, vorherrschen. Kann so etwas funktionieren?

Wie hing das alles zusammen? Eines erkannte ich deutlich: Es galt, sich dem Phänomen des Narzissmus und des Ego-Verstands zu stellen.

Ich beobachtete an mir, dass im Laufe meiner körpertherapeutischen Karriere die Bedürfnisse nach Bestätigung, Erfolg und Anerkennung, nicht ab-, sondern zunahmen. Nach wie vor wollte ich mich »wichtig« fühlen. Vieles davon spiegelte sich im Gradmesser Geld wieder. Die gesellschaftstypische Leistungsorientierung dominierte auffällig mein Denken.

Die freiberufliche Tätigkeit versetzte mich in die Position, das rechte Maß für mein arbeitsmäßiges Engagement zu verlieren, an den Rand der Erschöpfung zu geraten. Ähnliches hatte ich zuvor bei meinen Lehrern beobachten können. Also alles wie im normalen Leben.

Ich kompensierte meine Arbeitswut typischerweise mit steigendem Konsum. Schnellere Autos und andere Männerspielzeuge, häufige Urlaube und Luxus verknüpfte ich mit der Rationalisierung, mir kompensatorisch etwas Gutes zu gönnen. Arbeiten bis zum Rand der Erschöpfung, anschließend das verdiente Geld wieder für einen tollen Urlaub ausgeben, um danach weiter zu ackern, bis spät in die Nacht, ohne freie Wochenenden. Das sollte es gewesen sein? Das also gab sich als die Freiheit, als das Emanzipationsversprechen, die Befreiung, die ich anderen Menschen vermitteln wollte? Wie verlogen war das denn?

Dazu traten, wie ich es aus frühester Jugend kannte, meine politischen und gesellschaftlichen Ambitionen. Überall musste ich dabei sein, mitmischen. Statt Parteipolitik trat Berufspolitik in den Vordergrund: EABP, Forum, Wilhelm-Reich-Gesellschaft, Kongresse, Gaststrainer-Workshops, nicht zu vergessen die publizistische Tätigkeit mit meiner eigenen Zeitschrift »Ströme-Rundbrief für Reichianischer Körperarbeit« und in dem Wilhelm-Reich-Periodikum »Emotion« und dazu noch mein eigener Verlag.

Gedankenkonstrukte und ihre Veräußerung in Wort und Sprache bildeten ein Zentrum meiner Identität. Je mehr ich arbeitete, desto auffälliger wuchs die Neigung, in Konzepten und Interpretationen, die ich mir zurechtgelegt hatte, einen Halt zu finden. Mein Terminkalender plusterte sich auf, ich zog eine perverse Befriedigung daraus. Zehntausende Kilometer jedes Jahr verbrachte ich auf der Autobahn, unterwegs zum nächsten Termin, so besonders fühlte ich mich. Was unterschied mich von einem Versicherungsvertreter, der besessen beruhigende Policen an überängstliche Zeitgenossen verkaufte und atemlos dem Geld hinterherhechelte?

(Fortsetzung folgt)

Sonntag, 14. Januar 2018

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (127): Die Blockierung frühkindlicher Entspanungszustände als Basis für Bindungsstörungen


foto: pixabay
Bei der karthartischen Ausdrucksarbeit, also der klassischen Körpertherapie auf hohem Erregungsniveau, besteht die Funktion des Therapeuten u. a. darin, die emotionalen Impulse, die beim Klienten zum Ausdruck drängen, zu unterstützen. Dies geschieht organismisch, indem er körperlich-energetisch mitschwingt (»vegetative Identifikation« bei Reich, »affect atunement« bei Daniel Stern). Dies geschieht sowohl körpersprachlich als auch verbal. Ersteres richtet sich an die präverbale Präsenz des Kindes, letzteres an die kognitive Ebene. Indem der Körpertherapeut ermunternde oder katalytische Worte benutzt (»ja, genau, drücke es vollständig aus, komme ganz heraus damit, gib alles usw.«). Damit setzt der Körpertherapeut den Kontrapunkt zu den blockierenden Botschaften der Eltern, die die emotionalen Impulse hemmten und auf diese Weise die charakterliche Identifizierung des Kindes mit der Hemmung bewirkten.

Wenn ein Mitschwingen, die sog. »vegetative Identifikation«, in der energetischen Erregungsphase eine zentrale Rolle spielt, könnte dies dann nicht ebenso auf die Entregungsprozessen zutreffen?

Hinweise gab es. Ich erinnere an die bereits erwähnten Phänomene der Gehirnwellenmuster in der perinatalen Entwicklung. Darüber hinaus existierte das Mysterium einer »postorgastischen Trance«, jenem tranceartigen Entspannungszustand nach dem Orgasmus, der häufig mit Gefühlen inneren Friedens und äußerer Bindung einhergeht das Phänomen trat ja nicht nur in der erwachsenen Sexualität auf, sondern ließ sich bereits beim »oralen Orgasmus« des Säuglings und nach dem Stillen beobachten.

Alle Fäden liefen in der Hypothese zusammen: Chronische Blockierung von Entspannungszuständen beim Säugling bildet die Basis für die Bindungsstörungen der ersten Lebensmonate. Pulsationszustände von Aktivität und Ruhe, von Erregung und Entregung, schaffen einen Energieausgleich, eine energetische »Harmonie« (Mesmer). Beeinträchtigungen dieser Pulsation in Richtung Entregung, verursacht durch soziokulturelle Entwicklungen, stehen mit der Zunahme von Bindungsstörungen in Zusammenhang. Die Erweiterung der Körpertherapie um den Bereich energetischer Entregung eröffnet einen Weg, Bindungsdefizite zu beeinflussen.

Allerdings führte diese Hypothese zu einer entscheidenden Fragestellung: Spielte es dabei eine Rolle, ob eine Tiefenentspannung ein einzelner Vorgang auf Seiten des Klienten oder eine gemeinsame, eine verbundene, eine Bindungserfahrung darstellte?

Falls dies der Fall sein sollte, galt es allerdings ein Hemmnis zu überwinden, nämlich die Definition und das Selbstverständnis der Therapeutenrolle. Beide bedurften einer Neubestimmung.

Aus der Tradition von Schulmedizin und Psychoanalyse stammt die Haltung, dass der Therapeut beobachtet, aber auch steuert und letztlich kontrolliert, was in Sitzung Platz hat und was nicht. Dies gilt für die Begegnung als solche und insbesondere für die regressiven Zustände des Klienten. Beides bedürfte einer Korrektur. Die Herausforderung bestand darin, im energetischen Kontakt auch Trancezustände zuzulassen. Es verändert die tradierte Rollendefinition des Therapeuten grundlegend, wenn der Körpertherapeut in gemeinsame Tranceerfahrungen mit dem Klienten abgleitet, nicht mehr die steuernde, kontrollierende Instanz darstellt.

Im Grunde verwies all dies auf eine Transformation der therapeutischen Grundhaltung. Es galt, ein tradiertes patriarchalisches Modell, das vom Ego-Verstand her agiert, zu korrigieren und zu erweitern mithilfe rezeptiver Bindungs-Qualitäten, die den intuitiven Ressourcen des Menschen entstammen.

Hier stand nicht mehr der (phallische) Therapeut als Macher, als Diagnostiker und Techniker im Fokus. Gefordert war ein hingebungsfähiger Mensch, der sich den Geheimnissen des Seins öffnet und seine intuitiven und liebevollen Qualitäten einzubringen in der Lage ist. Nicht die Rolle des Therapeuten, seine männliche oder väterliche Seite, die sich in der Welt dort draußen auskennt und sich dort sicher zu bewegen weiß, war gefordert. Sondern vielmehr die weiblichen und mütterlichen Qualitäten, die sich in der Welt von Intimität und Bindung, Einfühlung und Kontakt zuhause fühlt.

(Fortsetzung folgt)

Donnerstag, 11. Januar 2018

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (126): Das Geheimnis von Rhythmus und Trance

Foto: pixabay
 Ich hatte das Glück, einen alten österreichischen Magnetiseur kennenzulernen, der offenbar noch Techniken dieser Mesmerschen Interventionen aus Überlieferungen von Magnetiseuren kannte. Es handelte sich um rhythmische, teilweise spiralförmige Bewegungsmuster, die in der Aura, dem Energiefeld des Körpers, ausgeführt werden. Die Spiralform wiederum korrespondierte mit jenen Modellen, die sich in der asiatischen Chakrenlehre finden. Die magnetischen Striche konnten, je nach Implikation, entweder sympathisch-kathartische oder parasysmpathisch-tranceähnliche Reaktionsmuster im Organismus auslösen.

In der Orgontherapie hatte ich gelernt, dass das Streichen in der Aura von oben nach unten harmonisierend-entspannende, von unten nach oben hingegen aufladend-erregende Wirkung zeitigt. Der alte Magnetiseur zeigte mir zusätzlich Techniken, die gezielt in Bereiche der Aura und des Körper eingesetzt werden können.

In einem Buch von Ernest Rossi, einem Schüler Milton Ericksons, stieß ich auf den Hinweis, dass es Trancezyklen gibt, die ca. 20 Minuten andauerten. Das stimmte mit meinen eigenen Beobachtungen und den Ergebnissen der Interviews überein, die ich, für die Recherchen des Säugling-Artikels mit stillenden Müttern gemacht hatte.

Hinweise fand ich bei Felicitas Goodman, die das Trancephänomen von einer kulturanthropologischen Perspektive aus erforscht hatte. Sie verwies auf den Zusammenhang von Rhythmus und Trance, den sie bei ihren Studien der Rituale indigener Völker und Kulturen, von Schamanen und Heilern, vorfand.

Beim Dhikr (ein ekstatisches Ritual der Sufis, in dem die Teilnehmer im Kreis mit Atemtechniken und rhythmischen Lauten der Kontakt zu Gott gesucht wird) der Sufis oder schamanistischen Ritualen, an denen ich teilnahm, spielte ein sich steigernder Trommelrhythmus die entscheidende Rolle.

Plötzlich verstand ich: Auch bei den Mesmerschen Strichen und in der hypnotischen Tranceinduktion gab es Rhythmen. Bei der »Unwinding«-Technik der Cranio-sacralen Therapie, die bei mir selbst Trancezustände ausgelöst hatte, zeigte sich ein (wenn auch relativ langsamer) Rhythmus.

War alles Rhythmus, Pulsation? Repräsentierten Einstimmung auf und Hingabe an den jeweiligen Rhythmus die Tür, um in andere Bewusstseinszustände einzutreten? Gab es einen Zusammenhang zwischen der rhythmischen Frequenz und dem Erregungszustand einer Trance? Repräsentierten die ekstatisch-kathartischen Zustände wie z. B. im Dhikr nur die eine, die tiefenentspannten schlafähnlichen Trance-Stadien eine andere Polarität?

Beeinflusste die Taktfrequenz des jeweiligen Rhythmus die Polaritäten Trance-Somnambulismus oder Trance-Ekstase? Bedeuteten diese Zusammenhänge, dass neben der emotionalen Ausdrucksarbeit noch eine andere, nach innen weisende Polarität existierte, in der nicht die Erregung, sondern die Entregung im Vordergrund stand?

(Fortsetzung folgt)


Sonntag, 7. Januar 2018

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (125): Franz-Anton Mesmer, Urvater der energetischen Körpertherapien


Franz-Anton Mesmer (1734–1815)

Fast alle Klienten fühlten sich durch wiederholte Trance-und Halterfahrungen stabiler und lebendiger. Sie berichteten, dass sie sich in sich ruhend und innerlich zufriedener wahrnahmen. In der Beziehung zu mir wuchsen die Anzeichen positiver Übertragung und Bindung.

Weitere Fragen stellten sich: Ließen sich Seinshalt und Trancezustände, die wohltuend, entspannend und seelisch stabilisierend wirkten, bei allen Menschen in Gang setzen? Repräsentierten sie Regressionsmuster in prä- und perinatalen Entwicklungsstadien, die somit in allen Menschen anklingen konnten? Fanden sich hier Selbstheilungskräfte, die etwas auszubalancieren vermochten, was in früher Kindheit unbeantwortet blieb und zu neurotischen oder körperseelischen Symptomen geführt hatte? Konnten Trance und Seinshalt, werden sie körpertherapeutisch genutzt, aufgrund dieser Selbstheilungskräfte jene Persönlichkeitsmuster aus den frühen Entwicklungsphasen zu korrigieren?

Ich befasste mich eingehender mit dem Phänomen der Trance, studierte Modelle und Anwendungen. Am Anfang stand Franz-Anton Mesmer und sein »magnetischer Schlaf«, der Weg führte über die Hypnose und die Hypnotherapie Milton Ericksons bis zur soziokulturellen Tranceforscherin Felicitas Goodman. Franz-Anton Mesmer und sein »animalischer Magnetismus« (Mesmer (1734–1815) lebte in einer Epoche, in der Elektrizität und Magnetismus die Menschen beeindruckte. In Abgrenzung zum »mineralischen Magnetismus« nannte er seine körpertherapeutische Herangehensweise den »animalischen« oder »tierischen« Magnetismus.) faszinierten mich.

In der Staatsbibliothek in Berlin studierte ich über ein Jahr lang Mesmers Schriften und ein Konvolut von Sekundärliteratur. Ich stieß auf eine Bibliographie zum animalischen Magnetismus aus dem Jahr 1800, welche erstaunliche 1.000 Buchtitel listete. Ohne Frage zeigten die Recherchen, dass der heute fast vergessene Mesmer nicht nur als Entdecker des »animalischen Magnetismus« und des sog. »somnambulen Schlafes« firmierte, wie man die Trancezustände im 19. Jahrhundert nannte. Mesmer muss auch als Urvater aller energetischen Körpertherapien gelten. Er zeigte ein tiefes Verständnis der Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten der kosmischen Lebensenergie, dessen Weisheit heute noch berührt und modern erscheint, trotz der altertümlichen Sprache.

Nur, die Wissenschaftler, Biografen und Verfasser der Sekundärliteratur konnten eine solche Einschätzung seines Werkes nicht vornehmen, da es die bioenergetische Körpertherapie noch nicht gab und die Wissenschaft Vorstellungen einer kosmischen Lebensenergie bis heute ablehnt. Erst unsere Generation, in der Nachfolge von Reich, ist in der Lage, tiefer zu verstehen, was die Methode Mesmers darstellte: die Urform einer energetischen Körpertherapie.

Mesmer benutzte für seine therapeutische Arbeit die sog. »Mesmerschen Striche«, Bewegungsabläufe der Hände und Finger am Körper und in der Aura des Patienten. Diese energetischen Interventionstechniken verkürzten Schüler und Nachfolger zu einer reinen Suggestivtechnik, aus der später die Hypnose hervorging. Wissenschaftshistorisch formte sich über den Schotten James Braid aus den Mesmerschen Strichen die Technik der hypnotischen Tranceinduktion. Braid machte die sog. wissenschaftliche Hypnose populär, die später über Charcot zu Freud führte. (Bekanntlich begann Freud seine psychotherapeutische Praxis als Hypnotiseur, bevor er mit Breuer die sog. kathartische Methode begründete und erst danach die Psychoanalyse in die Welt setzte.)

(Fortsetzung folgt)


Donnerstag, 4. Januar 2018

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (124): Was mache ich, wenn ich nichts mache?

Foto: pixabay


Körpertherapien in der Traditionslinie von Wilhelm Reich lassen Interventionen auf der Rückseite des Körpers häufig außer Acht. Der Klient liegt in der Grundposition auf dem Rücken, entsprechend muten Eingriffe dort eher mühselig an. Deshalb veränderte ich das traditionelle Setting und wies die Klientin an, sich auf die Seite zu legen und mir dabei den Rücken zuzuwenden. Das ermöglichte eine Haltearbeit auf der Rückseite des Körpers (»Rückhalt«), ein Fokus, der bis heute ein zentrales Element des Seinshalts und der seinsorientierten Transformation repräsentiert.

Viel später erst verstand ich, weshalb diese Arbeit im Rücken in der Seitenlage derartig wirkungsvoll ist: Sie bildet die Grundlage für die pränatalen Zellerinnerungen jener Entwicklungsphase, in der der Fötus den direkten Kontakt und Halt der Gebärmutterwand in seinem Rücken erlebt.

Ich begann, die Methode des Seinshalts bei weiteren ausgesuchten Klienten anzuwenden. Zunächst praktizierte ich sie als punktuelle Ergänzung zur traditionellen Herangehensweise. Eine verblüffende Beobachtung rückte in mein Blickfeld: Wenn Muskeln oder Muskelgruppen über längere Zeit (10–20 Minuten) Seinshalt erfahren, verändert sich ihr Tonus. Die Muskulatur entspannt sich, beginnt zu pulsieren, selbst dann, wenn sie sich anfangs in der Berührung hypertonisch, kalt, hart und starr anfühlte. Eine weitere Erkenntnis bestand darin, dass offenbar jede Art von Seinshalt den Organismus tief entspannte, so dass er über kurz oder lang ein naturwüchsiger Trancezustand ausgelöste.

Ein grundlegendes Problem kristallisierte sich jedoch bald heraus: Die Vorstellung, dass »nichts« passierte, man keine Körper»arbeit« machte, der Therapeut kein Aktivitätsfeuerwerk abbrannte, irritierte zutiefst. All die verinnerlichten kulturellen Erwartungsmuster, die besagen, je mehr und intensiver gearbeitet wird, desto kürzer erweist sich der Weg zu Erlösung (»sich regen bringt Segen«), liefen ins Leere. Das konnte nicht nur deutliche Irritationen, sondern sogar Widerstände auslösen, die anfangs in einigen Fällen zum Abbruch des Prozesses führten. Auch bei mir meldete sich der Ego-Verstand mit Zweifeln: »Was mache ich hier eigentlich, wenn ich nichts mache! Werde ich jetzt für’s Nichts-Tun bezahlt?«

Die Rezeptivität, die zum Vorschein trat, stand im Gegensatz zur Tradition einer therapeutenzentrierten Arbeit. Denn hier herrscht das Gegensatzpaar einer Aktivität des Therapeuten und einer Passivität des Klienten. Ein polarisiertes, hierarchisches Beziehungsmodell musste ersetzt werden durch eines, in dem Zusammenfließen, Verbundensein und punktuelles Verschmelzen seinen berechtigten Raum besitzt. Dies galt zumindest auf der Ebene des energetischen Seinszustands.

Ich gewöhnte mir an, diese tief verwurzelten Vor-Urteile mit meinen Klienten ausführlich zu besprechen. Es ging darum, den Abwehrmustern entgegenzuwirken und die kognitive Erlaubnis für diese andersartigen Erfahrungen zu erwirken. Der analytische Verstand erwies sich dabei als Hemmnis, mein eigener und diejenigen meiner Klienten.

Die Identifizierung der Persönlichkeit mit dem Denken und den Gedanken ließ erahnen, dass unkonventionelle Wege, die den kulturellen Grundannahmen widersprechen, es erschweren, Erfahrungen zuzulassen und zu integrieren, sofern Widerstände nicht durchgearbeitet werden. Das Witzige lag ja darin, dass das, was vorher als »Widerstand« erschien, sich nun als des Pudels Kern darstellte. Dabei wurde deutlich, dass ein viel tieferer und umfänglicher Widerstandsmechanismus auf der Ebene des Ego-Verstands, seiner Denk- und Überzeugungsmuster zu diagnostizieren ist. 

All dies lieferte ernsthafte Hinweise auf die Begrenzungen der Körper- und Psychotherapie, ihrer blinden Flecken als Produkt und Teil der Kultur, welcher sie entsprangen. Diese Aspekte werden uns in einem späteren Abschnitt noch ausführlich beschäftigen (siehe "Sein oder Machen")

(Fortsetzung folgt)

Sonntag, 31. Dezember 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (123): Die Geburtsstunde des »Seinshalts«


Mit solchen Erfahrungen und Fragen im Hinterkopf wartete ich gespannt darauf, ob und wann ich dem Trancephänomen in der Praxis wiederbegegnete.

Bereits einige Wochen später fand eine Klientin den Weg zu mir, die depressive Persönlichkeitsmuster und energetisch-chronische Erschöpfung zeigte. Es ließ sich bei ihr eine spontane Neigung zu Trancezuständen beobachten, die sie gleichzeitig zu blockieren und zu kontrollieren versuchte. Die Halsstarrigkeit in der Körperhaltung sprang ins Auge. Eine deutliche Spaltung zwischen dem kontrollierenden Kopf und einem davon abgetrennten Körperbewusstsein manifestierte sich in ihrem einem, unbeweglichen Halssegment (»halsstarrig«), eine Versteifung, gerichtet gegen jede Art von Nachgeben, Loslassen und Hingabe.

Beim klassischen Vorgehen hätte ich zunächst eine ausreichende energetische Ladung über die Atmung forciert, um über die erhöhte Spannung die muskulären Panzerungen im Nackenbereich effizient zu bearbeiten. Doch welche Alternativen blieben, wenn ein Organismus chronisch unterladen und erschöpft wirkt? Sollte ich erst einmal wochen- oder monatelang versuchen, das Energiesystem zu mobilisieren, um die energetische Ladung deutlich zu erhöhen? Galt es die Atemhemmungen, die die Ladungsprozesse behinderten, mühselig zu bearbeiten und zu überwinden? Oder gab es Alternativen?

An diesem Punkt versuchte ich einen neuartigen, intuitiven Weg: den des Haltgebens. Ein erster Schritt bestand darin, die Tranceneigung umzudeuten als einen natürlichen und zu unterstützenden Impuls. Ich hielt meine Hände unter den Nacken der Klientin, ohne etwas zu tun, ohne Druck auszuüben, zu massieren oder in einer anderen aktiven Weise zu intervenieren. Ich nutzte meine Berührungen nur, um Halt zu vermitteln, da zu sein: die Geburtsstunde des »Seinshalts«. Seine Wirkung erwies sich als phänomenal. Innerhalb weniger Minuten fiel die Klientin in spontane und tiefe Trance. Es machte den Eindruck, als ob die Präsenz meiner haltenden Hände ihr die Erlaubnis gegeben hätte, loszulassen und sich ihren Impulsen hinzugeben.

Ich nahm meine Hände nicht weg, ließ sie dort, wartete. Der Trancezustand dauerte an. Der Atem zeigte die typischen Muster der Entspannungsatmung, die ich auch bei Neugeborenen beobachten konnte: flache, kaum sichtbare Atembewegungen, unterbrochen durch ein-zwei tiefe und ausgiebige Atemzüge.

Nach ca. 20 Minuten kam die Klientin spontan aus diesem Zustand, streckte und reckte sich, sah rosig und entspannt aus, lächelte mich an (was sie bisher nicht getan hatte). Auf mein Nachfragen berichtete sie, sie fühle sich erholt, wohlig und erfrischt, beschrieb also Gefühle, die denen, die ich selbst bei der Cranio-sacralen Therapie erlebt hatte, verblüffend ähnelten.

Wenn die Tranceerfahrungen zeigten, dass sie energetisch kräftigten, den Kontakt erleichterten, statt ihn zu blockieren, sprach alles dafür, dieses Phänomen ausgiebiger zu erforschen. Im Laufe der Zeit lernte ich, dass Unterschiede in der Tiefe der Trance existierten. Gedanken- und Bildmuster traten auf, die gehirndominierte Selbstkontrolle lieferte aufschlussreiche diagnostische Hinweise auf Abwehrmuster, die die Persönlichkeitsstruktur kennzeichneten. Also letztlich auf die Frage, mit welchen Rationalisierungen und Gedankenmustern der Verstand Hingabe zu verhindern pflegt.

Der Seinshalt, den meine Hände vermittelten, indem sie berührten, präsent, liebevoll, unterstützend, und mit der entsprechenden inneren Haltung, ohne zu manipulieren, ohne zu forcieren, all dies erwies sich als zentrales Element zur Induktion einer tiefen Entspannung. Ich fand bald heraus, dass es unterschiedliche Körperregionen gibt, in denen diese Art Halt eindrucksvolle Resultate nach sich zog. Neben dem Nackenbereich zeigte sich dieser Effekt insbesondere im Rücken.

(Fortsetzung folgt)

Freitag, 29. Dezember 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (222): Die Entdeckung des Entregungsphänomens


foto: pixabay
Als junger Körpertherapeut, später als Trainer, machte ich Erfahrungen, die erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der seinsorientierten Transformation auslösten. Sie veränderten meine Sicht auf die Körperseele. Gleichzeitig ließen sie die Bedeutung des Halts und die Funktion des Haltgebens und der Energieprozesse in anderem Licht erscheinen.

In der Praxis begegnete mir bisweilen das Phänomen, dass Klienten während der Körperarbeit in einen tranceartigen Zustand glitten. Nach gängigen Einschätzungen interpretierte ich es zunächst als Widerstand und Abwehrverhalten. Meine Interventionen erfüllten die Funktion, den Klienten gezielt zurück auf die Aktivitätsschiene zu bringen, ihn aus dem Zustand dieses widerständigen »Aus-dem-Kontakt-Gehens« zu »befreien«.

In diesen Jahren interessierte ich mich bereits brennend für andere körpertherapeutische Modelle und Traditionen, nicht nur für diejenigen, die auf Reich zurückgingen. Eines Tages hörte ich von einem amerikanischen Körpertherapeuten und Zahnmediziner Martin Allen. Er bot Workshops in Cranio-sacraler Therapie an, ein Verfahren, das damals noch wenig Verbreitung in Deutschland fand. Eine Zeitlang nahm ich bei Martin an Weiterbildungen und Einzelsitzungen teil. Die cranio-sacrale Therapie mit ihrem Pulsationsmodell schien gut zum vegetativen Verständnis der Orgontherapie zu passen und erweiterte ihr Energiemodell auf einer feinstofflicheren Ebene.

Bei den Einzelsessions mit Martin Allen machte ich die irritierende Erfahrung, dass ich häufig schon nach wenigen Minuten in einen Trancezustand geriet, den ich als angenehm, entspannend und erfrischend empfand. Nach einer Sitzung fühlte ich mich energetisch »erhellt«, sensitiver in meiner Körperwahrnehmung, erfrischt und geläutert. Solche Empfindungen und Wahrnehmungen passten allerdings überhaupt nicht zur gängigen Interpretation des Trancezustands als Abwehrverhalten, die damals in der reichianischen Körpertherapie vorherrschte.

Dazu kam, dass die Cranio-sacrale Therapie keinerlei psychotherapeutische Dimension implizierte, es sich also um eine rein funktionale Körpertherapie handelte. Das Erklärungsmodell der Abwehr und der Kontaktvermeidung griff also nicht.

Eine zweite Erfahrungsquelle bildeten meine Studien zur frühkindlichen Entwicklung der Säuglingsphase, zusammengefasst in dem Beitrag »Orgonomische Aspekte des Stillens«. Insbesondere das Phänomen des oralen Orgasmus beim Säugling und die daran anschließende Trancephase, aber auch die zu jener Zeit neuen Forschungen und Erkenntnisse zu den Gehirnwellenmustern der prä- und postnatalen Entwicklung, faszinierten mich. Dabei deutete vieles darauf hin, dass der Mensch in der vorgeburtlichen Entwicklung und in den ersten Lebensmonaten einen Großteil seines Wachzustands in tranceartigen Entspannungszuständen verbringt. Die Gehirntätigkeit dominieren Alpha- und Thetawellen (Alphawellen verweisen auf Gehirnwellenmuster, die in leichten, Thetawellen, die in tiefen Entspannungszuständen des Wachbewusstseins auftreten. Betawellen entsprechen einer erregteren Gehirntätigkeit, z. B. einem aktiv Zustand des Nachdenkens). Erst mit dem 4. Lebensmonat treten typischerweise Betawellen in den Vordergrund und bleiben die dominierenden Gehirnwellenmuster des menschlichen Wachzustands bis zum Lebensende.

Wichtige Hinweise gab ein damals in der Szene viel beachteter Aufsatz von Mona-Lisa Boyesen mit dem Titel The Infant and the Alpha.

Daraus ergaben sich aufregende Fragen: Welche Funktion verbarg sich hinter dem Phänomen, dass der Mensch in seiner prä- und perinatalen Entwicklung in einem Dauerzustand von Entspannung lebt, der sich später für immer verflüchtigt? Welche Funktion hatten diese Trancezustände in den Frühphasen der ontogenetischen Entwicklung? Traten sie ubiquitär auf? Konnten sie gehemmt werden? Vermochte man sie körpertherapeutisch zu unterstützen oder in Gang setzen? Welche energetischen und psychischen Prägungen und Störungsmuster könnten auf diesem Hintergrund anders betrachtet werden?

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 16. Dezember 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (221): Körpertherapie hinter der DDR-Mauer

foto: pixabay
In jenen Tagen vermochte sich niemand vorzustellen, dass die Mauer, welche beide Teile Deutschlands trennte, jemals fallen könnte. Die Gespräche, die ich mit professionellen Helfern in der DDR führte, verdeutlichten zu meiner Überraschung eines: Die therapeutische Methodenfreiheit in den Institutionen der DDR erwies sich als größer als bei uns im Westen. In der Bundesrepublik stand man der Körpertherapie, vor allem im klinischen Bereich, noch mit größter Skepsis gegenüber. In der DDR schien es schlichtweg gleichgültig zu sein, mit welchen Methoden Therapeuten arbeiteten, Hauptsache, sie funktionierte und der Plan, die Statistik stimmte. Zudem gab es weniger kontrollierende und auf Außenwirkung fixierte Hierarchien als in den Kliniken im Westen Deutschlands.

Auf diesem Hintergrundszenarium entwickelte sich die Idee, eine den Bedingungen der DDR angepasste körpertherapeutische Ausbildung zu organisieren. Sie sollte den Interessenten das notwendige Handwerkszeug vermitteln, perspektivisch die problematische Rolle des »West-Reisekaders« überwinden helfen und langfristig dazu führen, dass es in der DDR unabhängige körpertherapeutische Ausbildungsangebote geben konnte.

Da keine Chance bestand, Trainer aus dem Westen zu ihren gewohnten Honorarsätzen zu bezahlen, musste dieses Projekt auf freiwilliger, ehrenamtlicher und ökonomisch-symbolischer Ebene organisiert werden. Also hörte ich mich in Kollegenkreisen um, wer unter diesen Voraussetzungen bereit sein könnte, quasi kostenlos sporadisch in der DDR als Ausbilder zu arbeiten. Meine Idee fand eine erstaunlich großherzige Resonanz.

Ich koordinierte, insbesondere aus dem Kreis des Ströme-Zentrums, das durch seine personelle Zusammensetzung ja bereits einen schulenübergreifenden Ansatz vertrat, ein Trainerteam unterschiedlicher körpertherapeutischer Schulen, dem u. a. Rob Bennett (Biodynamik-Trainer), Herwig Geister (Vegeto- und Skan-Therapeut), Charlotte Schuster und Heike Buhl (beide Radix) und meine Person angehörten. Als Gasttrainer, die 1–2 Mal in die DDR fuhren, traten damals u. a. Will Davis, Eva Reich und David Boadella in Erscheinung.

Die erste körpertherapeutische DDR-Trainingsgruppe begann ihre Arbeit 1986 und fand 1989 ihren Abschluss, fast zeitgleich mit dem Mauerfall im November 1989.  Mit einem mehrtägigen rauschenden Fest in den Räumen des Ströme-Zentrums feierten wir die Wiedervereinigung Deutschlands auf energetische Weise.

Dieses aus der Not geborene Trainingsprogramm zeigte im Nachhinein betrachtet einige Schwächen. Insbesondere die fehlende Selbsterfahrung der Teilnehmer, die nicht geleistet werden konnte, führte dazu, dass die Lernprozesse kopflastig und abstrakt anmuteten. Charaktermuster und Widerstände blieben zwangsläufig unbearbeitet. Zudem wies die Gruppendynamik für uns Westler einige spezifische Fallstricke auf, die sich spätestens dann nahezu gespenstig in Szene setzen, als ein Gruppenteilnehmer bezichtigt wurde, Stasi-Spitzel zu sein.

Auf der anderen Seite verdeutlichten die Erfahrungen dieses schulenübergreifenden Körpertherapie-Trainings:
•    Ein integratives Trainingsprogramm realisiert sich, indem Gemeinsames und nicht Trennendes im Fokus der Aufmerksamkeit steht.
•    Für die Trainees erweist es sich als didaktisch wertvoll, da übereinstimmende Wurzeln und Essenz leichter erkennbar werden.
•    Für die Praxis bedeutet es eine Bereicherung, da in einem schulenübergreifenden Training ein breit gefächertes Handwerkszeug und praktische Herangehensweisen aus verschiedenen Traditionslinien vermittelt werden.
•    Jeder Therapeut und jede therapeutische Schule besitzt ihre Stärken und Schwächen, ihre Licht- und Schattenseiten. Ein integratives Modell ermöglicht, diese auszugleichen.
•    Übertragungsprozesse richten sich nicht mehr auf nur eine Person, den Gründer oder Leiter der jeweiligen Schule, sondern fächern sich auf, was ihren Einfluss verringert.

Auf diese Weise avancierte das aus der Not geborene Modell eines Körpertherapie-Trainings in der DDR zum Vorbild eines integrativen Trainingsprogramms, das 1990 im Westen begann: Das Körpertherapie-Integrativ-Training (KIT), welches ich zusammen mit dem Biodynamiker und Gerda Boyesen-Schüler Rob Bennett und meiner damaligen Frau Paula Diederichs ins Leben rief. Zahlreiche Gasttrainer aus anderen Schulen und Persönlichkeiten wie Myron Sharaf, Eva Reich, Will Davis, Jutta Becker, u. a. konnten wir in unser Programm integrieren. Aus den KIT-Trainings trat über ca. 15 Jahre manch versierter Körper- und Psychotherapeut hervor.

(Fortsetzung folgt)

Sonntag, 3. Dezember 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (210): Was die Funktion des Orgasmus mit Wilhelm Pieck zu tun hat ...


Eine besonders eindrucksvolle Lektion in Sachen DDR-Diktatur vermittelte ein eintägiges Seminar in Ostberlin mit dem Titel »Wilhelm Reich und die Funktion des Orgasmus«. Im Gegensatz zu unseren meisten Aktivitäten fand dies nicht im privaten, sondern im halböffentlichen Raum statt. Diese Aufgabe erfüllte in der DDR stets die evangelische Kirche, organisatorisch und physisch.

Die Veranstaltung sollte in einem erstaunlich modernen Kirchengebäude in Bezirk Lichtenberg stattfinden. Als ich hereinkam, waren bereits alle Plätze besetzt. Dutzende Zuhörer hatten keinen Sitzplatz gefunden, standen zwischen und an den Wänden oder saßen auf dem Boden. Einige Hundert Zuhörer interessierten sich für diesen Vortrag, den ich gemeinsam mit meinem damaligen Vorstandskollegen aus der Wilhelm-Reich-Gesellschaft, dem leider früh verstorbenen Heiko Lassek, halten sollte. Heiko und ich wechselten uns ab und referierten das gesamte Leben und Werk von Wilhelm Reich im Rahmen dieses eintägigen Seminars.

In der Pause wies man uns auf zwei auffällig unauffällige Männer in der letzten Reihe hin, die sich eifrig Notizen machten (was nicht weiter auffiel, denn Aufzeichnungen machten sich viele Anwesende). Bald kam ich auf die Phase von Reichs politischen Aktivitäten Anfang der 30er Jahre zu sprechen. Dazu muss man wissen, dass Reich der damaligen kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) angehörte, aber seine eigene »Massenorganisation« leitete, die Sexpol. Es handelte sich um eine sexualpolitische Organisation, die zeitweise bis zu 100.000 Mitglieder zählte und sich u. a. für kostenlose Verhütungsmittel, die Aufhebung des Abtreibungsverbotes, Sexualaufklärung von Jugendlichen u. ä. einsetzte. Diese sexualpolitische Organisation und Reichs Aktivitäten erschienen jedoch der herrschenden stalinistischen Parteiführung als Dorn im Auge. Mit großem Tamtam schloss man Reich aus der KPD aus. Als Hauptgegner im Politbüro der KPD zeichnete damals ein gewisser Wilhelm Pieck, der sich vehement dafür engagierte, Reich mit seiner Sexualpolitik kaltzustellen.

Die Ironie der Geschichte wollte es, dass dieser Wilhelm Pieck zwischen 1949 und 1960 das Amt des ersten und einzigen Präsidenten der DDR bekleidete, hochverehrt und überall mit seinem Namen präsent. Ich empfand eine gewisse Befriedigung darüber, dass die schmählich ausgegrenzte Wahrheit Wilhelm Reichs auf diese Weise in die DDR 50 Jahre später ihre verdiente Aufmerksamkeit erhielt.
Ich kann allerdings nicht verhehlen, dass eine gewisse Nervosität in der Wahl der Formulierungen bei diesen brisanten politischen Themen in meiner Stimme mitschwang. Ich bekam eine Ahnung davon, was es bedeutet, in einer Diktatur öffentlich seine Stimme zu erheben, wenn man weiß, dass der Zensor aufmerksam zuhört.

Aber ich hatte mir vorgenommen, keine Selbstzensur auszuüben, auch angesichts der Stasi-Überwachung des Vortrags. Mehr als ein Einreiseverbot hätte mir als Bürger des freien Teils Deutschlands glücklicherweise nicht passieren können.

Noch eindrucksvoller als die politischen Themen erwiesen sich die Reaktionen auf die Funktion des Orgasmus. Als ich Reichs Orgasmustheorie referierte, die sich ja von allen bekannten sexualwissenschaftlichen Modellen grundlegend unterscheidet (Reich sah in der Funktion des Orgasmus die zentrale Erkenntnis seines Lebenswerks. Die Orgasmusformel »mechanische Spannung - energetische Ladung - energetische Entladung - mechanische Entspannung« erklärte er später zur Lebensformel schlechthin. Reich betrachtete den Orgasmus als eine ganzheitliche Erfahrung, die den ganzen Körper und die Seele des Menschen betrifft. Orgasmusstörungen geben für Reich Hinweise auf körperlich-seelische Blockaden und bilden den Nährboden jeder Neurose), wurde es mucksmäuschenstill im Auditorium. Man hätte eine Stecknadel fallen hören. Dies vermittelte mir eine anschauliche Vorstellung darüber, wie es Anfang der 30er Jahre Reich selbst ergangen sein dürfte, als er im Rahmen der Sexpol in Berlin regelmäßige Vorträge vor Tausenden von jungen Menschen hielt.

Unsere Veranstaltung erzielte einen vollen Erfolg. Der Gemeindepfarrer zeigte sich am Ende der Vorträge so berührt, dass er alle Anwesenden bat, mit ihm gemeinsam das Lied »Der Mond ist aufgegangen« zu singen. Ich spürte deutlich: Die Herzen der Menschen hatten sich geöffnet, der Raum war erfüllt von menschlicher Verbundenheit und Wärme. Die Stasi-Beamten sangen nicht mehr mit, sie verschwanden kurz vorher. Heiko und ich fuhren glücklich, aber auch erleichtert zurück über die Friedrichstraße nach West-Berlin.

(Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 29. November 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (209): Die verbotenen Bücher und ihre Befreiuung

foto: pixabay
Weitere Workshops schlossen sich in den folgenden Monaten an. Allmählich bekam ich Einblick in das Netzwerk derjenigen, die sich für moderne tiefenpsychologische Methoden interessierten. Ich besuchte Hans-Joachim Maaz (Hans-Joachim Maaz (*1943) wurde nach der Wende 1989 als Autor zahlreicher Bücher zur Sozialpsychologie der DDR und des wiedervereinigten Deutschlands bekannt. Sein wohl bekanntestes Buch trägt den Titel »Der Gefühlsstau« und befasst sich mit den psychischen Verwerfungen der DDR-Diktatur.) in Halle, der die in der DDR bekannte »Psychotherapeutischen und Psychosomatischen Klinik im Evangelischen Diakoniewerk Halle« als Chefarzt leitete. Seine Arbeit dort erwies sich als zentraler Anziehungspunkt für viele Menschen, die sich für Tiefenpsychologie und Körpertherapie begeisterten.

Von Hans-Joachim Maaz erfuhr ich manches über die Geschichte der Psychotherapie in der DDR. Dabei nahm ich mit Erstaunen zur Kenntnis, dass die alte psychoanalytische Tradition dort durchaus in larvierter Gestalt über all die Jahre weiterlebte, obwohl es sie offiziell nicht mehr gab oder geben durfte. Ich brachte Maaz damals auch mit Eva Reich zusammen, die an seiner Klinik Fortbildungen anbot.

Dr. Agathe Israel, bereits vor der Wende eine engagierte Kinder- und Jugendpsychotherapeutin in der DDR, zeigte starkes Interesse an unserer frühkindlichen Arbeit. Für einige Jahre begleitete sie Eva Reich als Weggefährtin und Schülerin. Ich erinnere mich an leidenschaftliche Diskussionen, die wir damals über die seelischen Folgen der frühen Krippenerziehung in der DDR führten, die ein schwerwiegendes Tabu in der öffentlichen Diskussion des wiedervereinigten Deutschlands darstellten.

Die Methoden der Humanistischen Psychologie faszinierten einen Teil der professionellen Szene der DDR. Bereits damals spürte ich, dass diese Faszination auch darauf zurückging, dass jemand oder etwas aus dem Westen kam. Durch die geistige Repression der Diktatur fühlte man sich dort ausgehungert und isoliert, neigte dazu, mit einer gehörigen Portion idealisierender Übertragung auf alles zu reagieren, was aus dem Westen kam.

Um diesen Hunger zu stillen, boten wir neben den Selbsterfahrungs-Workshops auch immer wieder Vorträge im privaten, bisweilen auch offiziellen Rahmen, an. Meine damaligen Kollegen aus dem Ströme-Zentrum Heike Buhl, Herwig Geister und andere reisten regelmäßig nach Ostberlin, um dort Seminare, Workshops und Vorträge anzubieten. Das Interesse erwies sich als überwältigend, man hatte das Gefühl, die Menschen dort reagierten wie ein trockener Schwamm, der alles aufsog, was wir aus dem Westen mitbrachten.

Es gab in der DDR weder Literatur von noch über Wilhelm Reich noch über Körpertherapie. Reich gehörte zu den Autoren, die man nur im »Giftschrank« der wissenschaftlichen Bibliotheken aufbewahrte. Einzig bei ausgewiesenem Forschungs-Interesse ermöglichte man einem handverlesenen Kreis von regimetreuen Forschern den Zugang zu seinen Schriften.
Doch die findigen DDR-Bürger, wie in allen Diktaturen des Ostens, wussten sich zu helfen und erzeugten sog. Samisdat-Literatur. Ich hielt damals ehrfurchtsvoll einige dieser Werke, u. a. auch die Funktion des Orgasmus von Wilhelm Reich, als Samisdat wie ein Heiligtum in den Händen. Ich konnte mir als Westler kaum vorstellen, wie viel Leidenschaft, Engagement und Arbeit in einem solchen Buch steckte. Deshalb sei das Prozedere im Zeitalter der Digitalfotografie hier noch einmal referiert:

Zunächst fotografierte man jede einzelne Seite des Originals ab, bannte sie auf einen Schwarzweißfilm. Diesen entwickelte man zunächst in einer Dose, fixierte und trocknete ihn. Dann musste jedes einzelne Negativ unter einem sog. Belichter auf Fotopapier übertragen werden. Das Papier, in der Regel dick wie Pappe, entwickelte und fixierte man in verschiedenen chemischen Bädern, trocknete und glättete es. Den daraus entstandenen Stapel Fotos band man zu einem dicken Konvolut zusammen ... und als Ergebnis hielt man die vollständige Reproduktion eines – verbotenen – Buches in den Händen.

Ein Verfahren mit Fotokopierern oder Matritzenabzugsgeräten blieb den DDR-Bürgern verschlossen, solche Geräte, wo immer sie standen, kontrollierte man engmaschig. Aber der menschliche Geist und sein Wissensdurst finden ihren Weg. Wie viele Stunden Arbeit und welcher Aufwand sich damit verbanden, lässt sich nach meiner Schilderung erahnen.

(Fortsetzung folgt)