Mittwoch, 22. März 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (158): Mütterliche und väterliche Elemente in der Körpertherapie


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Werfen wir einen Blick auf den Gesamtprozess der Transformation der seinsorientierten Körpertherapie. Hier wird sichtbar, dass frühkindliche und kindliche Bedürfnisse reaktualisiert und auf einer energetischen und symbolischen Ebene realisiert werden. Diese Bedürfnisse betreffen den mütterlichen und väterlichen Bindungs-Halt, und zwar als eine empirische, energetische und symbolische Erfahrung und deren kognitive Integration.

Der körpertherapeutische Ansatz ermöglicht, Halt und haltende Berührung als wahrhaftige Erfahrungen zu integrieren, die symbolische Dimension erschließt sich durch die Übertragungs- und Bindungsprozesse und deren Auflösung in der Endphase des Prozesses.

Entsprechend bilden die symbolischen und energetischen Erfahrungen des mütterlichen und des väterlichen Halts nicht nur den Rahmen dieses Prozesses, sondern auch den Inhalt, d. h. das Spektrum typischer Interventions- und Erfahrungsangebote.

Traditionell arbeiten Körpertherapien schon seit jeher mit mütterlichen und väterlichen Elementen. All jene rezeptiven, einfühlenden, sensitiven und intuitiven Berührungen, die in den unterschiedlichen Körpertherapietraditionen verwendet werden, lassen sich dem Spektrum der mütterlichen Elemente zuordnen. Katalytische, invasive, den Körperpanzer direkt attackierende, intentional-technische Berührungen ordne ich dem Spektrum der väterlichen Elemente zu.

Je nach Körpertherapie-Schule finden sich Unterschiede, die dem Geschlecht, der Persönlichkeit und Persönlichkeitsstruktur der Gründer geschuldet sind. Auffällig ist, dass in der Generation der Gründer Frauen eher unterrepräsentiert waren und gerade in der Traditionslinie Reichs eine geringe Rolle spielten.

Die Dominanz der Männer war eklatant. Ausnahmen bildeten Nic Waal und Gerda Boyesen aus Norwegen und Reichs Tochter Eva. Wo man auch hinschaute, die exponierten Schulen in der Körpertherapie wurden von Männern gegründet und geleitet.

Daraus ließe sich die Hypothese ableiten, dass die mütterlichen Elemente in den Körpertherapie-Schulen der ersten Generation eher unterrepräsentiert waren. Andererseits fällt auf, dass bis heute überwiegend Frauen sich von den körpertherapeutischen Ansätzen angezogen fühlen, wirft man einen Blick in die Ausbildungsgruppen und Praxen. Ich möchte das hier nicht vertiefen, das sollte an anderer Stelle geschehen. Ich deute diese widersprüchlichen Tendenzen zunächst als Ausdruck einer gewissen Verwirrung und Unbewusstheit gegenüber den eigenen Wirkkräften von mütterlichen und väterlichen Haltungen und Interventionen.

Um so wertvoller dürfte es sein, diesen nicht nur mit Klarheit zu begegnen, sondern diese auch mit Achtsamkeit und Bewusstheit im Transformationsprozess einzusetzen.

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 18. März 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (157): Der Faktor Zeit in der Berührung

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Neben der Dualität von Halt und Information spielt der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle. Genügend Zeit zu haben ist in unserer Kultur eine seltene, aber umso heilsamere Voraussetzung, um sich neuen Erfahrungen, insbesondere auf der Seinsebene, zu öffnen. Der Weg aus der kulturellen Arrhythmie des Dauer-Gehetztseins zur organismischen Wahrheit eines natürlichen biologischen Rhythmus bedarf des Einfallstors der Zeitlosigkeit.

Das bedeutet, übertragen auf das körpertherapeutische Setting, dass es durchaus angebracht sein kann, eine Berührung über 30 Minuten und länger an einer bestimmten Stelle aufrecht zu erhalten, um die Desorganisation des »versteinerten Selbst-Halts« zu ermöglichen. Ein Körperkontakt, der über derartig lange Zeitspanne bestehen »bleibt«, vermittelt eine völlig andere Botschaft als eine kurze Berührung, die gleich in die nächste übergeht. Eine »bleibende« Berührung erreicht und kontaktiert innere Seinsgefühle und Seinszustände bedeutend leichter als dies bei anderen Arten von Verbindung der Fall ist.

Ein solches »Da-Bleiben« und »Da-sein« kontaktiert das Dasein als solches. Es vermittelt jenen Halt des Seins, der im Gehaltensein mündet.

Desorganisierung des »versteinerten Selbst-Halts« in unterschiedlichen Körpersegmenten bildet die Voraussetzung für eine Reorganisierung der Energieströme im Körper auf der feinstofflichen Ebene, die sich aus den revitalisierten Herzcode-Informationen speist. Diese Resultate sind zwar nur indirekt erfahrbar, aber deutlich. Typisch ist ein grundlegend verändertes Selbst- und Körpergefühl, das im Anschluss an die Tiefentrance spürbar wird.

Diese Reorganisierung des feinstofflichen Energiesystems stellt sich also als ein Zusammenspiel von Halt- und Bindungserfahrungen mit dem Austausch von Herzcode-Informationen dar. Wie wir gezeigt haben, ermöglicht die seinsorientierte Halterfahrung dem Organismus, das eigene Haltesystem (den »versteinerten Selbsthalt«, die muskuläre und energetische «Panzerung«) sukzessive loszulassen. Das Zellgedächtnis des Organismus enthält offenbar genaue Vorstellungsinhalte darüber, wie sich Halt anfühlen sollte.

Deshalb ist es in der Anwendung seinsorientierten Körpertherapie von großer Bedeutung, diese innere Vorstellung des »richtigen« Halts, der »richtigen« Berührung im Klienten abzurufen. Das geschieht durch genaues Nachfragen und durch das »Try-and-error«-Prinzip. Es kann durchaus sein, dass diese Abfrage eine längere Zeit beansprucht, gerade dann, wenn der Klient über keine Erfahrungen auf dem körpertherapeutischen Gebiet verfügt.

Subjektiv geht dieser Prozess einher mit der allmählich wachsenden Erfahrung innerer Ruhe und innerer Versöhnung. Das Schließen dieses Kreises auf zellulärer Ebene führt auf diesem Hintergrund zu Verlebendigung und Erleichterung.

Diese Erfahrung des Seins-Halts ermöglichen es Leib und Seele, neue Positionen im und Perspektiven zum Leben zu entwickeln.

(Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 15. März 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (156): Verlebendigung in Seele und Körper

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Halterfahrungen auf der körperlichen und herzenergetische Bindungserfahrung auf der seelischen Ebene ermöglichen die »Verlebendigung« der Körperseele. Vitalisiert werden jene bio-emotionalen Potentiale, zu denen die meisten Menschen in der Kindheit noch Zugang hatten, welche jedoch durch die notwendigen Anpassungsprozesse des narzisstischen Egos und des Körper-Selbsthalts verschüttet wurden.

Dazu zählen wir auf der seelischen Ebene die Bindungs- und Liebesfähigkeiten zu anderen Menschen, zu Natur und der Schöpfung schlechthin, den freieren Zugang zu Informationen aus Körperempfindungen. Ein lebendiges Gefühls- und Seelenleben verstärkt die damit verbundenen intuitiven Fähigkeiten, Wirklichkeit auch jenseits der Etikettierungen des Verstandes zu erkennen. Auch die Möglichkeit, dort Entspannung, Loslassen und Hingabe zu erleben, wo dies erheischt ist, zum Beispiel im Liebesleben, nimmt zu.

Auf der körperlich-energetischen Ebene geht dieser Prozess einher mit einer Verlebendigung des Körpers, wachsender Beweglichkeit und Pulsationsfähigkeit, den Erfahrungen lustvollen Strömens im Körper selbst.

Der Empfindungs- und Gefühlsreichtum entwickeln sich, das emotionale Ausdrucksspektrum ebenso wie der kreative Selbstausdruck und die Lebensfreude, sowie Lust- und Hingabepotentiale wachsen.
Der unter der Voraussetzung einer tragenden Beziehung vermittelte Halt ermöglicht eine sukzessive Desorganisation des »versteinerten Selbst-Halts«. Diesen betrachten wir als funktionell identisch mit dem Charakter- und Körperpanzer, wie ihn Wilhelm Reich beschrieben hat. Er kann somit potentiell ersetzt werden durch die neuen alten, in der Kindheit verlorenen, inneren Ressourcen, die mit der Verlebendigung der Körperseele einhergehen.

In der Bindungserfahrung einer tragenden Beziehung und im erlebten bio-emotionalen Halt und der Tiefenentspannung findet sich letztlich die energetische Basis für die Übertragung von Herzcodeinformationen und die Neuformierung der Körperseele auf der feinstofflichen Ebene.

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 11. März 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (155): Über die "tragende Beziehung" im Transformationsprozess

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Auf diesem Hintergrund bilden die Herstellung einer tragenden Beziehung und Bindung die Voraussetzung auf der Beziehungsebene, der direkt körperlich erfahrbare Halt und die verbundene Tiefentrance diejenige auf der Ebene der Körpererfahrung.

Unter einer »tragenden Beziehung« verstehe ich jene Qualität einer Klient-Therapeut-Beziehung, welche durch die Gewissheit von Liebe und die Sicherheit der Bindung getragen wird. Sie setzt auf Seiten des Therapeuten eine bestimmte Liebesfähigkeit (»Agape«: bezeichnet die Qualität einer transpersonalen Liebesfähigkeit, die sich von der personengebundenen Liebe (»Eros« oder »Philia«) grundlegend unterscheidet) und ein offenes Herz voraus. Es dürfte naheliegend sein, dass eine solche Beziehungsqualität sich grundlegend von einem therapeutischen Arbeitsmodell unterscheidet, das auf psychotherapeutischer Technik oder angelerntem abstrakten Wissen basiert.

Der Entwicklung solcher Agape-Potentiale in Einzelarbeit, Weiterbildung und Supervision kommt innerhalb der seinsorientierten Körpertherapie eine größere Bedeutung zu als dezidiertes und abstraktes Wissen über Diagnostik und Therapietechnik. Denn letztere bleiben hohl und weitgehend wirkungslos, basieren sie nicht auf einem offenen Herzen und wahrhaftiger Liebesfähigkeit.

Eine tragende Beziehung stellt sich auf Seiten des Klienten in der Gewissheit und im Vertrauen dar, dass insbesondere die kritischen Deutungen des Therapeuten nicht auf das Selbst, sondern stets nur auf das narzisstische Ego zielen.

Dass sich eine derartige Beziehungsqualität als ein sukzessiver Prozess realisiert, dürfte einleuchten. Menschen, die ein Leben lang vor tiefem Misstrauen gegenüber Anderen geprägt sind, werden nicht plötzlich den Schalter umlegen können. Hier hilft uns allerdings die »positive Übertragung«, in der sich das tiefe Bedürfnis nach dem »guten Vater« und der »guten Mutter« als Idealtypus abbildet. Wir haben diese Phänomene bereits an anderer Stelle erläutert (der »Stimmigkeits-Effekt«).

Auf solcher Beziehungsbasis, die im Laufe des Prozesses sukzessive an Stabilität gewinnt, wird es möglich, die neurotischen Programme des narzisstischen Egos durchzuarbeiten. Eine tragende Beziehung entwickelt die Wahrnehmung von Herzverbindung und Liebe. Sie repräsentiert die alchemistischen Experimentierstube für eine zunehmende Liebesfähigkeit des Klienten, die sich bei akkurater Auflösung der Übertragungen realen Liebesobjekten außerhalb der therapeutischen Beziehung zuwenden kann.

(Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 1. März 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (154): Vom inneren Polizisten zur tragenden Beziehung

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Als »inneren Polizisten« definiere ich jenen Teil des narzisstischen Egos, der misstrauisch die lebendigen Prozesse der eigenen Körperseele und diejenigen seiner unmittelbaren Lebensumwelt betrachtet. Seine Existenzberechtigung leitet er aus der Berufung ab, alles zur Kenntnis zu nehmen und zu kontrollieren.

Im Transformationsprozess des Klienten benötigt er eine angemessene Zuwendung und Aufmerksamkeit, bis er dazu bereit ist, ein Stück dieser Kontrollsucht aufzugeben. Das energetische Zentrum des inneren Polizisten findet sich in jenem Dreieck zwischen den Augenbrauen und der Stirn, der als Sitz der Zirbeldrüse oder des 3. Auges bekannt ist. In dem Maße, in dem der innere Polizist die Kontrolle über die bio-emotionalen Vorgänge in der Körperseele aufzugeben bereit ist, öffnet sich das Energiezentrum des 3. Auges und dessen intuitiven Potentiale können sich entfalten.

Der innere Polizist betrachtet alle Vorgänge mit Skepsis und Misstrauen. Dies betrifft vor allem diejenigen, die mit Hingabe und tiefer Emotionalität, insbesondere der des Herzens, sowie mit Lustgefühlen und Sexualität zu tun haben. Im Grunde repräsentiert der innere Polizist all jene frühkindlichen Erfahrungen, in denen das Kind lernen musste, seine bio-emotionale Wahrheit zugunsten der Anforderungen seiner Lebensumwelt zu verleugnen.

Insbesondere frühe Mangelerfahrungen von Bindung und Halt schufen die Notwendigkeit dieser Anpassung der Persönlichkeitsstruktur an die Anforderungen der Außenwelt, wobei es zu einer positiven oder negativen Identifikation mit ihren Werten kommt. Er repräsentiert eine wesentliche Funktion des »Selbsthalts«, über den wir an anderer Stelle bereits gesprochen haben (Mütterlicher Halt, Selbsthalt und pränatale Prägung).

Dieser Anpassungsprozess kann soweit gehen, dass die eigene Ich-Identität nur über diese verinnerlichten Identifizierungen definiert wird und die innerseelische Landschaft eine menschenleere Wüste darstellt. In der Fachterminologie spricht man in diesem Kontext von »frühen Störungen«.

Bindung und Halt bilden daher die Essenz der Praxis der seinsorientierten Körpertherapie. Wir gehen davon aus, dass Defizite von Bindung und Halt innerhalb der frühkindlichen Entwicklung als ein nicht-geschlossener Kreis im Unbewussten der erwachsenen Persönlichkeit weiterhin existieren. Sie manifestieren sich in konkreten Charakter-, Körper- und Verhaltensmustern (»Charakterpanzer«), suchen ein Leben lang Antwort, doch scheitern an den Abwehrbastionen der erstarrten Persönlichkeitsstruktur.

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 25. Februar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (153): Tiefentrance, Vertrauen und Bindung

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Die verbundene Tiefentrance, also die gemeinsame und tiefe Entspannung von Klient und Therapeut  in der Körpertherapie, entspricht der biologischen Matrix des Säuglings in der prä- und postnatalen Entwicklung. Sie schließt einen Kreis, der häufig offengeblieben ist, weil die Erfahrung verbundener Tiefentrance gerade in der postnalen Erfahrungswelt des Säuglings fehlte, wie wir oben ausführlich erörtert haben.

In der körpertherapeutischen verbundenen TiefeNtrance verändert sich der Atemrhythmus des Klienten in Richtung Entregung , d. h. die Atmung verflacht sich, wird teilweise arrhythmisch. Der Organismus fällt in tiefe Entspannung, Alpha-Wellen treten als typische Gehirnwellen auf, im Vegetativum werden wesentliche Merkmal des parasympathischen Zustands erkennbar.

Die Berührung des Körpertherapeuten reagiert auf subtilste organismische Botschaften in der Muskelpulsation enthüllt. Sie enthüllt sich als potentielle körpertherapeutische Zwiesprache jenseits der Schwelle des Bewusstseins.

Die Ströme der Herzcode-Informationen von Klienten zum Therapeuten und vom Therapeuten zum Klienten formieren sich in dem Maße, wie die tranceartigen Bewusstseinszustände auf beiden Seiten sich zu einem gemeinsamen Seinszustand verbinden.

Das, was im Seins-Halt über diese Schwelle in die Wahrnehmung rücken kann, ist die sanfte Pulsation der Atembewegung, der Darmperistaltik, des Herzschlags oder der cranio-sacralen Pulsation. Dieser rhythmische Aspekt des Halts wird häufig erst durch die Dauer der Berührung wahrnehmbar, und zwar sowohl auf Seiten des berührenden Therapeuten als auch auf Seiten des berührten Klienten. Das andere Element, die energetische Information, ist ein Bestandteil der Herzcode-Informationen, die auf der zellulären Ebene übertragen werden und das Zellgedächtnis des Klienten ansprechen.

Es ist naheliegend, dass die Fähigkeit des Klienten, gleichzeitig Berührung anzunehmen und in Trance zu gehen, ein gewisses Maß an (Ur-)Vertrauen, oder mit Freud gesprochen, an »unanstößlicher Übertragung« benötigt. Niemand wird die Kontrolle des Bewusstseins aufgeben, der nicht ein Stück dieses Urvertrauens in sich mobilisieren kann. Berührung in dieser Weise anzunehmen und gleichzeitig in einen veränderten Bewusstseinszustand einzutauchen, ist also immer auch ein Stück Öffnung des Herzens für Bindungsimpulse und Bindungserfahrungen.

Ob und wie weit ein Klient in der Lage ist, sich auf diesen Zustand einzulassen, ist nicht nur diagnostisch bedeutsam, sondern gibt auch deutliche Hinweise auf den Stand seines Transformationsprozesses insgesamt.

Es geschieht in der Praxis eher selten, dass ein Klient in der ersten Sitzung bereits in der Lage ist, tiefere Entregungszustände zuzulassen. In der Regel bedarf es einer 2-4-maligen Anwendung des Seins-Halts, bis dies möglich wird.

(Fortsetzung folgt)

Donnerstag, 23. Februar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (152): Tiefenentspannung in der seinsorientierten Körpertherapie

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Wie ich ausgeführt habe, handelt es sich bei den frühkindlichen Impulsen zur Tiefenentspannung im Kontakt es um ein fundamentales bio-emotionales Bedürfnis.

Welche Folgerungen ergeben sich dadurch für die körpertherapeutische Arbeit?

Zunächst erscheint es mir von zentraler Bedeutung zu sein, ob ein Körpertherapeut in der Lage ist, mit seinem Klienten in diese tiefen Trance- und Entspannungszustände einzutauchen. Die Hingabe an Verschmelzungserfahrungen in Verbindung mit einem anderen Menschen ist eine völlig andere Erfahrung, als diesen Zustand allein zu erleben. Sie schließt den Kreis eines bio-emotionalen Grundbedürfnisses, das, wie wir gesehen haben, in der frühen Mutter-Kind-Beziehung unbeantwortet blieb.

Der Säugling musste auf dieser Entwicklungsstufe bereits lernen, seine vegetative Wahrheit abzuspalten. Die Individualisierung des Kindes beginnt mit dem Paukenschlag einer Beziehungsverweigerung in der Säuglingsphase. Die Verleugnung der körperseelischen Wirklichkeit wird Fundament für Selbstbeziehungs- und Bindungsdefizite.

In der seinsorientierten Körpertherapie kann dieser tiefe Kontakt, zunächst generell mit den Zuständen von Entregung, lustvoller Entspannung und Trance reaktualisiert und schließlich in der verbundenen Trance energetisch revitalisiert werden.

Dieser Zustand, der auf einer unsichtbaren Ebene die Verbindung und den Austausch von Herzcode-Informationen ermöglicht, stellt ein Zustand tiefster und subtilster Bindungserfahrung dar. Als Erwachsene kennen wir ähnliche Erlebnisse in postorganistischen Trancezuständen, die ebenfalls eine eindrückliche Erfahrung auf der Entregungsebene darstellen.

In der postorgastischen Trance findet sich ein Erfahrungsraum, der von tiefen Gefühlen von Liebe und Verbundenheit zum Partner geprägt sein kann. Die postorgastische Trance stellt die prägende Bindungserfahrung im Bereich der erwachsenen Sexualität dar, bzw. seine Vermeidung kann ein wichtiger Hinweis auf eine Bindungsstörung darstellen. Der Austausch von Herzcode-Informationen geht ein her mit dem hohen Level an Bindungshormonen (Oxytocin und Prolaktin), die mit dem Orgasmus ausgeschüttet und in der postorgastischen Phase ihre Wirkung ausüben.

(Fortsetzung folgt)

Montag, 20. Februar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (151): Liebe als Tauschgeschäft

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Denn die falsche Welt gilt längst als richtig in der Welt der Erwachsenen. Die Beziehungsangebote der Mutter (und selbstverständlich auch die des Vaters) zeigen sich von den eigenen Selbstbeziehungsdefiziten geprägt: Ihr Umgang mit dem lebendigen Wesen des Kindes wird gesteuert von Konzepten und Kategorisierungen, von Urteilen und Leistungsdenken, von narzisstischen Aufwertungsbedürfnissen und dem phantasierten Blick des Anderen.

Die intuitiven und gefühlsmäßigen Ressourcen, das instinktive Wissen, Achtsamkeit und Stimme des Herzens, all die tiefen Gefühle, sie verlieren unter der Knute gehirndominierten Bindungsverhaltens. Sie verändern schlussendlich die Natur des Kindes: Es lernt, diejenigen Elemente seiner Natur in sich zu verleugnen, die in diesem Beziehungsmodell keine Resonanz erfahren.
  
So entsteht ein Phänomen, das wir (kulturelle) Tradition nennen. Eine Tradition, die sich auf allen Stufenleitern der Gesellschaft widerspiegelt. Eines der Fundamente dieser Tradition findet sich in der  ständigen Übererregung und der tiefgehenden Entspannungsunfähigkeit unserer Kultur, die einher gehen mit der Hochmut, Ignoranz und Unkenntnis gegenüber allen Seinsaspekten des Lebens.

Die subtile Botschaft, die bereits dem jüngsten menschlichen Lebewesen in unserer Kultur vermittelt wird, lautet: „Du bist nur etwas wert, wenn du was machst, handelst, agierst, Erwartungen erfüllst, die an dich herangetragen werden. Du bist nichts, wenn du einfach nur bist oder sein willst.“

Was zunächst auf den archaischen Stufen der Entwicklung als rein organismische Information existiert, wird später zur durchgängigen charakterbildenden Botschaft: Liebe wird gewährt aufgrund von Erwartungserfüllung, einem von der Lebensumwelt formulierten Anspruch, aber nicht um des Seins, der Existenz eines Menschen willen. Diese charakterbildende Liebe will erarbeitet sein, sie ist unmittelbar mit der leistungsorientierten Dominanz des Gehirns verbunden. Sie verdeckt die Liebes- und Bindungsimpulse des Herzens, und das die Liebe als Selbst- und Welterfahrung verkümmert.

Was ist diese charakterbildende Liebe für eine Liebe? Ist sie eine Liebe, die mir ermöglicht, mich selbst anzunehmen und zu lieben, wie ich bin, den anderen anzunehmen und zu lieben, wie er ist, die Natur anzunehmen und zu lieben, wie sie ist?

Oder liegt hier nicht vielmehr die tiefe narzisstische Kränkung einer kranken Kultur verborgen, die in jedem Menschen aufscheint: Liebe als etwas erfahren zu haben, das nicht seinem eigentlichen Wesen, seinem Sein gilt, sondern nur im Tausch zu den Ansprüchen verkauft wird, die an ihn herangetragen werden. Dass dies kein Liebe ist, sondern nur ein entfremdetes Konzept von Liebe, "das weiß doch jedes Kind" ... aber kaum ein Erwachsener. Der hat es meist vergessen auf dem Weg des Erwachsenwerdens.

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 18. Februar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (150): Wie die falsche Welt als richtig erlebt wird

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An dieser Stelle schließt sich eine naheliegende Frage an: Welche Folgen könnten sich daraus ergeben, wenn die Schwangere oder die stillende Mutter aufgrund durchgängiger innerer Unruhe nicht in der Lage ist, eine energetische Verbindung und Resonanz zum Fötus oder Neugeborenen aufzubauen?

Wenn eine Mutter Schwierigkeiten hat, ihrem Kind auf der Ebene eines „Nur-Da-Seins“ den biologisch erwarteten Halt zu bieten ... ohne in die Unruhe des Machens oder im Bewusstsein antizipierten Machens zu verfallen, ist das ein banaler Vorgang, dem keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss oder hinterlässt dies Spuren in der Beziehung oder im Kind selbst?

Was könnte es bewirken, wenn Foetus oder Neugeborenes jedes Mal, wenn sie in den Zustand seliger Trance zu gleiten versuchen, was ja ihre Natur in dieser Entwicklungsphase ist, wie wir oben ausgeführt haben, durch eine unruhige oder hektische Lebensumwelt daran gehindert wird?

Naheliegend ist, dass das Baby aus solchen natürlichen Entregungsphasen herausgerissen wird bzw. sie gar nicht erst erfahren kann. Die aus seiner „organismischen Wahrheit“ stammenden Impulse nach Tiefenentspannung werden von der Lebensumwelt blockiert. Das Baby bleibt isoliert in seiner Erfahrungswelt, ohne Resonanz, ohne liebende (Herz)Verbindung mit diesem Teil seiner Natur und seines Wesens. Es gibt kein Echo, keine Einstimmung, keinen Kontakt.

Das Baby mag protestieren, alarmiert sein, möglicherweise wütend, schreiend. Am Ende jedoch wird es die eigenen organismische Wahrheit in sich abspalten müssen. Je nach Intensität dieser Erfahrungen wird es verdrängen, resignieren und die ungestillte Sehnsucht nach Verschmelzung tief in seiner Seele vergraben. (Wohlgemerkt: Ich spreche hierbei nicht von punktuellen, sondern von durchgängigen, strukturellen und strukturgebenden Erfahrungen.)

Die Unfähigkeit des Säuglings, sich zu entspannen, zur Ruhe zu kommen und Entregungsprozesse (die ich als das Gegenteil der Erregungsprozesse ansehe) zuzulassen, tritt in extremer Form in Verbindung mit dem sog. Schreibabysyndrom auf. Hier zeigt sich das Baby in höchstem Maße alarmiert, was u. a. mit lang anhaltenden Schreianfällen, chronischen Schlaf- und Einschlafstörungen, organismischen Blockierungen und Kontaktstörungen einhergeht.

Bei diesem Syndrom zeigt sich das Phänomen, dass der Körper, welcher nicht ausreichend Halt erfährt, sich zwangsläufig selbst Halt in Gestalt von akuten Blockierungen auf der energetischen und muskulären Ebene verschafft. Dies basiert auf der Tatsache, dass die Mutter über die inneren Ressourcen verfügt, um ihrem Kind notwendigen Halt und Ruhe anzubieten, denn sie leidet unter innerer und äußerer Haltlosigkeit. [Diederichs 1999]

Die organismische Botschaft, die Konditionierung, die hier vermittelt wird, könnte aus der Sicht des Babys (und in der Sprache der Erwachsen) lauten: „Das Bedürfnis nach tiefer Entspannung ist eine einsame Erfahrung, die niemand mit mir teilt, nicht einmal meine Mutter. In dieser Einsamkeit verliere ich Verbindung, Verbindung zu ihr und Verbindung zu allem um mich herum. Dazu wirken dauernde Störungen, Lärm, Hektik, Unruhe. Sie machen es mir schwer, loszulassen, mich zu entspannen, in diese wohltuenden tranceartigen Zustände zu gehen, die ich doch eigentlich so sehr brauche.“

Derartige Bedürfnisse auf der Seinsebene werden als resonanz-, respekt- und (ver)bindungungslos erfahren. Sie werden als falsch erlebt. Und die falsche Welt am Ende als richtig.

(Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 15. Februar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (149): Wenn die Bindungsimpulse des Herzens verkümmern ....

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Auf einer tieferen Ebene trägt diese Konfrontation des Säuglings mit der chronischen inneren Unruhe und Unfähigkeit zur Entspannung auf Seiten der Mutter zur Verleugnung der eigenen organismischen Wahrheit bei. Sie bildet den Anfangspunkt einer langen Kette von Anpassungen an eine kulturelle Lebensumwelt, in der nicht seine organismisch-energetische Wahrheit, sondern die (Fehl-)Interpretation, Domestizierung und Zivilisierung der inneren Natur des Kindes im Vordergrund steht. Die beliebig austauschbaren Konstrukte des Ego-Verstandes treten so ihre Herrschaft über seine bio-emotionalen Bedürfnisse und intuitiven Potentiale an.

Die Bindungsimpulse des Herzens verkümmern. Das Kind lernt, dass Erklärungen, Worte, Definitionen mehr bedeuten als seine innere Wahrheit. Das betrifft insbesondere das Gefühlsleben bzw. bestimmte Bereiche des Gefühlslebens, vor allem aber die Bindungs- und Verbindungsimpulse des Herzens. Das Kind lernt, sie zu verformen oder zu verleugnen, wenn sie keine Resonanz und Verbindung finden, bis sie schließlich ganz verstummen. So zivilisiert, will und soll es später, erwachsen geworden, lieben: Das Leben, den Partner, die eigenen Kinder.  

Ein weiterer, systemischer Faktor spielt eine wichtige Rolle. Wie bereits erwähnt, lassen sich die Herzcode-Informationen und Lebensenergie selbst als ubiquitär, d. h. als überall präsent betrachten. Es findet ein ständiger, unbewusster Austausch von Energie- und Herzcode-Informationen zwischen den Lebewesen statt. Auf diesem Hintergrund ist es naheliegend, dass die Herzcode-Informationen der unmittelbaren Lebensumwelt und der Familiengeschichte der werdenden Mutter auf Verlauf und Prägungen der Schwangerschaft Einfluss nehmen.

Eine Feststellung, die jedem, der auf diesem Feld arbeitet, durchaus vertraut ist. Auch für den Prozess der Persönlichkeitsbildung des Kindes wirken diese Einflüsse, die gesamte charakteranalytische Lehre in der Tradition Reichs gibt hierzu zahlreiche Hinweise. [Hierzu: Johnson 1990, Lowen 1992, Kurtz 1985, Baker 1980]

Darüber hinaus finden sich kulturspezifische und gesellschaftlich-soziale Faktoren, die in der jeweiligen Generation auf solche Entwicklungsprozesse Einfluss nehmen. Diese folgen in der Regel auf sozialhistorische Veränderungen im Arbeitsprozess folgen. Die enorm hohe Arbeitsintensität, die sich aktuell als Standard durchgesetzt hat, bildet Stressoren, die in der Persönlichkeit Spuren hinterlässt. Ein Mensch, der im Beruf stets auf Hochtouren laufen muss, tut sich schwer, die entsprechenden Spuren in seiner Körperseele auszuschalten, wenn er "Feierabend" hat.

So existieren zahlreiche Wirkkräfte, die in unserer Kultur auf Schwangerschaft und frühkindliche Entwicklung ausstrahlen und insbesondere für die Ausbreitung von Selbstbeziehungsdefiziten verantwortlich sind. Gehetzsein, die verbreitete Unfähigkeit zur Entspannung sind ein auffälliges gesamtgesellschaftliches Phänomen, dem viele Millionen Menschen mit Alkoholabusus, Schlaftabletten u. ä. begegnen.

Auf diesem Hintergrund gilt ein besonderes Augenmerk diesen zunehmenden Einschränkungen des mütterlichen und familiären Systems zu jener angemessenen Präsenz auf der Seinsebene, die der Körperseele des Neugeborenen angemessen ist.

(Fortsetzung folgt)

Samstag, 28. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (148): Wenn nach dem Stillen "noch sooooo viel zu tun ist ..."

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Die verbundene Trance führt den vegetativen Zyklus der Schwangerschaft fort, d. h. sie ermöglicht eine Fortführung der pränatalen Verschmelzungserfahrungen und vertieft so die frühkindliche Mutter-Kind-Bindung. Sie bejaht und unterstützt die bio-energetische Wahrheit im Organismus von Mutter und Säugling, die extrauterine vegetative Kontaktqualität knüpft an die intrauterine Erfahrungswelt unmittelbar an.

Wenn der Milchfluss der stillenden Mutter den Strom ihrer lebendigen Liebe darstellt, dann bildet die orale Trance die Erde, den Boden, in der dieser Strom fließt. Sie erinnert darüber hinaus an jene sonderbare Erscheinungsform der postorgastischen Trance, von der bereits an anderer Stelle die Rede war.

Doch erscheint der Boden für diesen Fluss der Liebe in unserer modernen Leistungsgesellschaft allein dadurch zu erodieren, dass das Blinken des mentalen Displays immer hektischer aufleuchtet: »Zeit«, »Arbeit« ist dort zu lesen.

So folgt manche Mutter nicht ihren natürlichen Impulsen, sondern der Agenda ihrer in der Gedankenwelt und ihrem Überich eingepflegten »wichtigen« Verpflichtungen.

Die Vorstellung der Hingabe an einen tranceartigen Zustand mit einem Baby kann bei manchen Müttern bereits deutliche Abwehrmuster mobilisieren. Diese haben eines gemeinsam: Es existieren 10.000 Erklärungen, warum dieses Loslassen nicht sein nicht sein darf ... »Es ist noch sooooo viel zu tun ... jetzt reicht es aber, wie sieht die Wohnung denn aus ... wenn das Baby schläft, kann ich endlich mal ... « usw.

Ein für unsere moderne Leistungsgesellschaft typisches Muster besteht während der Stillzeit also darin, dass dann, wenn am Ende des Stillprozesses der natürliche Impuls zur Entspannung und Trance spürbar wird, dieser ignoriert, unterbrochen oder abgewürgt wird. Geschieht dies wiederholt oder dauerhaft, so zieht dies signifikante bio-emotionale Folgen für die Körperseele des Babys, der Mutter und der Bindung zwischen beiden nach sich.

Die Unruhe und Unfähigkeit zur tiefen Entspannung überträgt sich sukzessive auf das Baby. Dieses wird unruhig, beginnt zu schreien, was den potentiellen Stress der Mutter wiederum erhöht, das Baby noch mehr alarmiert usw. Ein Teufelskreis wird in Gang gesetzt.

(Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 25. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (147): Rhythmusstörungen der Säuglingsphase

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Betrachten wir die Entwicklungen nach der Geburt im 1. Lebensjahr, so spielt die Oralität hier bekanntlich die entscheidende Rolle. Dies gilt sowohl für die Beziehung zwischen Mutter und Säugling als auch für die Persönlichkeitsbildung des Kindes.

Es existiert in unserer Kultur eine augenfällige Vielfalt von Störungsmustern beim Stillen. Die für Säugetiere typischen instinktiven Verhaltensweisen, insbesondere Geburt, Säugen, Sexualität unterliegen beim modernen Menschen auffälligen Beeinträchtigungen. Ist hier der Preis für die »Zivilisierung« des Menschentieres, auf die es selbst so stolz ist: Nichts klappt mehr aus sich heraus, von allein. Insbesondere im Bereich instinktiver Verhaltensweisen führen Unsicherheiten, Irritationen und Kopfgeburten schnell zu persönlichen Katastrophen.

Stillprobleme können die Säuglingsphase zu einer für alle Beteiligten quälenden Erfahrung machen. Die Stillphasen werden purer Stress, wachsen sich zu Lebensdramen aus. Sie werden zur lustlosen Pflichtübung oder werden bereits nach ein paar misslungenen Versuchen abgebrochen.

Dazu tritt die verbreitete Unkenntnis und Tabuisierung von Themen wie dem oralen Orgasmus des Säuglings, sexuellen Lusterfahrungen der Mutter und den Eifersuchtsreaktionen der Väter auf die vom "vergesellschafteten" Brüste seiner Frau.

Für die Praxis der seinsorientierten Körpertherapie ist allerdings eine andere Besonderheit von Bedeutung, die entweder unbekannt oder ebenfalls tabuisiert ist: die orale Trance. Damit bezeichne ich das Phänomen eines tiefen Entspannungsimpulses im Anschluss an den Trinkvorgang, ein Geschehnis, das als biologisch-energetischer Impuls bei der stillenden Mutter und dem Säugling gleichermaßen in Erscheinung tritt.

An dieser Stelle ein ergänzender Hinweis: Nicht die Tatsache des Bruststillens an sich scheint mir der entscheidende Faktor für eine befriedigende Stillbeziehung zu sein. Vielmehr erweist sich der Seinskontakt zwischen Mutter und Säugling als bedeutungsvoller. Die bio-emotionale Qualität des Kontakts dürfte für die Bindung und die frühkindliche Entwicklung wesentlicher zu sein als die Art der Nährung selbst, egal ob Brust oder Flasche.

Die orale Trance der Säuglingsphase repräsentiert die Besonderheit bei stillenden oder auch flaschenfütternden Müttern, dass der Säugling, wenn er genügend getrunken hat, die instinktive Neigung zeigt, spontan in Trance zu fallen. Sein Gesicht wird dabei rosig (»Lumination«), ein seliges Lächeln erscheint, das Köpfchen gibt hingebungsvoll nach, die Augen verdrehen sich leicht nach oben, die Lider sinken, die Atmung verflacht sich (»Tranceatmung«), der Körper entspannt sich und wirkt schwerer als vorher. Dies alles sind Anzeichen einer typischen parasympathischen vegetativen Reaktion.

Bestehen liebevolle Bindung und keine vegetativen Rhythmussstörungen zwischen Mutter und Baby, dann wird auch sie den Tranceimpuls bei sich wahrnehmen und keine Scheu zeigen, diesem nachzugeben. Beide, Mutter und Säugling, fallen in einen Trancezyklus, der um die 20-25 Minuten dauert. Ein gemeinsames »Aufwachen« kann beobachtet werden und mündet typischerweise in einen spielerischen, von liebevoller Leichtigkeit geprägten, Aktivitätsdrang auf beiden Seiten.

Die verbundene Trance rekapituliert den vegetativen Zyklus während der Schwangerschaft, d. h. sie wiederholt die pränatale Verschmelzungserfahrung und vertieft die frühkindliche Mutter-Kind-Bindung. Sie bejaht und unterstützt die bio-energetische Wahrheit im Organismus von Mutter und Säugling.

(Fortsetzung folgt).